2015/08/23

Tsukamoto Shinyas Neuverfilmung "Nobi/Fires on the Plain"

Letzte Woche sah ich mir die Neuverfilmung "Nobi" von Tsukamoto Shinya im Kino an. Der englische Titel lautet "Fires on the Plain".

Nobi 2015

"Nobi" ( 野火, bedeutet "Buschfeuer") ist ein Roman von Ôoka Shôhei (大岡昇平, 1909-1988) aus dem Jahr 1951. Ôoka war bereits als Schriftsteller bzw. Journalist aktiv, als er im März 1944 als Soldat eingezogen und im Juli desselben Jahres in Manila eingesetzt wurde. Im Jänner 1945 kam er auf der philippinischen Insel Leyte in amerikanische Kriegsgefangenschaft und kehrte nach Kriegsende im Dezember 1945 nach Japan zurück. 1949 veröffentlichte er seinen ersten Roman Furyoki (俘虜記, "Bericht eines Kriegsgefangenen"), der auf seine Erfahrungen in Kriegsgefangenschaft beruht, und erhielt dafür den Yokomitsu-Riichi-Literaturpreis. 

Der Roman Nobi ist soetwas wie ein Folgeroman und erzählt die Geschichte des Soldaten Tamura, der auf der Insel Leyte herumirrt und schlussendlich in amerikanische Kriegsgefangenenschaft kommt. Die meiste Zeit streunt der wegen einer Lungenerkrankung von seiner Truppe weggeschickte Tamura durch den philippinischen Dschungel und führt innere Monologe, wo er über Gott und die Welt und alles nachdenkt. Das sind sehr interessante Stellen, die natürlich schlecht verfilmt werden können. Ein Schlüsselereignis ist die "versehentliche" Ermordung einer Filipina seitens Tamura, der daraufhin sein Gewehr wegwirft, um sich nach einigen Irrwegen anderen japanischen Soldaten anzuschließen, die letztendlich fast alle bis auf Tamura von amerikanischen Truppen ausgelöscht werden. Nachdem Tamura auch aufgegeben hat, sich freiwilig zu ergeben, streunt er wieder durch den Dschungel und trifft dabei auf alte Gefährten - den jungen Soldaten Nagamatsu und seinen "Mentor" Yasuda. 

Japanischer Trailer zu Tsukamoto Shinyas Nobi

Ein zentrales Motiv des Romans ist die Einsamkeit und der wunderschöne, aber tödliche Dschungel. Weiters erregt Nobi vor allem durch das Thema "Menschenfleisch" aufsehen. Von den Truppen getrennte, allein herumziehende und dem Hungertod nahe Soldaten in der Einsamkeit des philipinischen Dschungels beginnen sich gegenseitig aufzuessen - ein ziemlich grausliches Thema und kaum mit den kriegszeitlichen Propagandageschichten und -filmen zu vereinbaren. 

Kein Wunder, dass Tsukamoto Shinya (塚本晋也) sich an eine Neuverfilmung des Romans herangemacht hat. Der Regisseur, der in Nobi auch den Hauptcharakter Tamura mimt, ist vor allem für seinen Cyberpunk-Film Tetsuo (鉄男, "Tetsuo: The Ironman", 1989) bekannt. 

Doch bereits 1959 wurde Nobi durch den bekannten japanischen Regisseur Ichikawa Kon (市川崑, 1915-2008) in schwarz-weiß verfilmt. Ichikawas Version weicht in gravierenden Punkten von Ôokas Romanvorlage ab, wodurch ein elegantes, nahezu humanistisches Bild des Soldaten Tamuras gezeichnet wird, der am Ende des Films nicht in Kriegsgefangenschaft kommt, sondern stirbt. 

 Deutscher Trailer von Ichikawa Kons Nobi

Im Gegensatz dazu hält sich der Splatter-liebende Tsukamoto mehr an die Romanvorlage und peppt den Film durch typische Splatterelemente und natürlich Farbe auf. Allein dadurch, dass der Film in Farbe ist, entsteht gleich ein ganz anderer Eindruck. Weiters erzählt er die Geschichte nicht nur bis zur Kriegsgefangenschaft Tamuras, sondern zeigt auch einen kurzen Einblick in Tamuras (gestörtes) Leben nach seiner Rückkehr in Japan. 
Insofern ist es sehr interessant den Roman mit den beiden Filmversionen zu vergleichen. Auf Japanisch habe ich einen kurzen Review über Nobi verfasst (Wandering Books: Nobi) und die Verfilmung Ichikawas mit dem Roman verglichen. 
Vielleicht schreibe ich demnächst auch einen Vergleich Roman - Ichikawa - Tsukamoto. ^^

Filmticket Tachikawa Cinema City
Wer sich in Tokyo aufhält, kann noch bis zum 28. August (Tachikawa Cinema City) bzw. 18. September (Shibuya Eurospace) in den Genuss des Films von Tsukamoto Shinya kommen! Wobei im Shibuya Eurospace immer die letzte Tagesvorführung von Nobi mit englischen Untertiteln gespielt wird!

Leider spielt der Film wirklich nur in kleinen Kinos - obwohl es meiner Meinung nach wichtig wäre, dass auch ein breiteres Publikum diesen Film zu Gesicht bekommen würde. Aber das bleibt dann wohl nur Filmen wie "Eien no 0" vorbehalten...  


Kommentare:

  1. Ich danke dir für die Hintergrundinformation zu diesem indi Movie. Er ist wohl ausnahmslos nur an Erwachsene gerichtet zu sein. Der Film Trailer wirkt sehr verstörend...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Er soll ab 12 freigegeben sein, zumindest in Japan!
      Im Film selbst kamen jedoch weniger Splatterszenen vor, als ich erwartet hatte. Es gibt eigentlich nur eine lange Szene, die das dramatisch aufarbeitet. Ansonsten haelt es sich strikt an die Buchvorlage, was sehr interessant war. ^^

      Löschen