2012/04/30

Vom Jinbasan zum Berg Takao

Der Berg Jinba (heutzutage 陣馬山 geschrieben, ursprünglich 陣場山) liegt an der Grenze zwischen der Präfektur Tôkyô und Kanagawa, genauer genauer gesagt zwischen den Städten Hachiôji (Tôkyô) und Sagamihara (Kanagawa) und ist ungefähr 854 Meter hoch.

Wanderweg am Jinbasan
Eine beliebte Wanderroute führt vom Berg Takao zum Jinbasan oder in umgekehrter Reihenfolge - so wie wir es gestern machten.
Startet man beim Jinbasan, so gelangt man am besten mit der JR Chûô Linie Richtung Ôtsuki/Kôfu/Kobuchizawa (JR中央本線大月・甲府・小淵沢方面) und steigt beim Bahnhof Fujino (藤野駅) aus. Vom Bahnhof könnte man auch theoretisch bis zum Startpunkt am Fuße des Jinbasans mit einem Bus gelangen, was wir jedoch nicht gemacht haben. So kam man bereits schon sehr früh ins Schwitzen und hatte gleichzeitig ein Aufwärmtraining.

2012/04/16

Shidarezakura & Felice Beato

春雨のしくしく降るに高円の山の桜はいかにかあるらむ

Andauernder Frühlingsregen,  was ist wohl mit den Kirschblüten vom Berg Takamato.
Manyôshû, 8. Band (Watanabe no Azumato)
Shidarezakura beim Kaiserpalast
Der Frühlingsregen vom Samstag hat so gut wie alle Kirschblüten bereits weggefegt und jetzt ist die ganze Pracht dahin. Vor einer Woche waren sie noch in voller Blüte - und nun ist das beliebte Frühjahrsschauspiel bereits vorbei. Zumindest Phase 1. Es gibt nämlich viee verschiedene Arten von Kirschblüten in Japan, und zB die Shidarezakura, deren Äste wie die einer Trauerweide hinabhängen und an denen sich ganz viele Blütenköpfe befinden, blüht im Moment sehr schön.
Ich für meinen Teil finde, dass die Shidarezakura wohl die schönste Kirschblüten-Art ist, aber jeder hat einen anderen Geschmack. :P

2012/04/10

Hanami in Shukugawara


In Japan ist der April einer der schönsten Monate, das liegt natürlich an einem Naturschauspiel, welches schon nahezu stellvertretend für Japan selbst wurde - die Kirschblüte. Der Fokus auf das lang herbeigesehnte erblühen der zarten weißen und rosa Blüten der japanischen Kirsche ist so extrem, dass vergessen wird, dass auch andere Blumen im April zu blühen beginnen. Die Omnipräsenz der sakura (桜, Kirschblüte) ist einfach zu gewaltig.

Endlich erblüht die sakura!

So wird bereits seit einigen Wochen im TV mit Sorge beobachtet, dass es doch ein (verhältnismäßig) langer und kalter Winter war und die Kirschblüte sich verspäten könnte. Tatsächlich waren vor circa einer Woche noch die Pflaumen in voller Blüte, welche eigentlich im Feber blühen.
 Dieses Wochenende - genauer gesagt am Samstag, 7.4.2012, war es dann so weit - auch die Kirschblüten in Tôkyô sind endlich von ihrem Winterschlaf aufgewacht (5 Tage später als im Vorjahr) und Knospe nach Knospe blühte auf. In den Nachrichten (beim Wetter) wurde eifrigst über den Zustand der Kirschblüten berichtet (so wie im Herbst über die Herbstlaubfärbung) und am Sonntag konnte sich nun fast die ganze Kantô-Region in Bewegung setzen und zu ihren eigenen Lieblingsplätzen pilgern.

Endlich ist es so weit! Die sakura im Inokashira Park befindet sich in voller Blüte!
(Regelmäßige Updates über das Blühen der sakura auf weathernews.jp)

2012/04/04

Einmal Österreich und wieder zurück

Im März ging es für mich zurück nach Österreich auf Heimaturlaub. Einerseits, weil Urlaub immer gut ist und andererseits, weil viel zu tun war (also doch weniger Urlaub...).
Schönes Nodogoshi, aka Sumiko Oniguchi
Ich war genau einen Monat wieder zu Hause, was wohl in Zukunft die Ausnahme darstellt, so lange kann man von der Arbeit für gewöhnlich ja nicht einmal in Österreich an einem Stück frei nehmen. 


Es tut mir auch leid, dass ich mich nicht bei allen Leuten gemeldet habe bzw. nicht alle sehen konnte - zeitlich ist das schier ein Ding der Unmöglichkeit. Nachdem zu 98% alle meine Freunde in Wien sind, die Familie aber in Graz, war das ein Hin- und Hergerissen sein zwischen diesen beiden Städten. 

Wißt ihr was, das nächste mal kommt ihr einfach alle nach Japan, ok? :P

Trotz Stress war es natürlich toll, ich hatte wieder einen Monat lang mein Nodogoshi, das fetter geworden ist und noch immer hysterisch herumschreit, und einmal gings zur diesjährigen Kulturhauptstadt Europas, nach Maribor. Ich hab auch die Gelegenheit genützt, mich wieder einmal mit einer ordentlichen Ladung an Büchern einzudecken, damit mir auch nicht langweilig wird. :P

2012/03/18

Yoshimoto Takaaki

Am 16. März 2012 erlag Yoshimoto Takaaki (bzw. auch Ryûmei genannt, 吉本 隆明) im Alter von 87 Jahren in einem Krankenhaus einer Lungenentzündung.

Yoshimoto Takaaki
Yoshimoto Takaaki ist im Westen, auch unter Japanologen, kaum bekannt. Es gibt keine Deutsche Übersetzung seiner Werke, obwohl er einer der einflussreichsten Intellektuellen Japans ist. Als Philosoph und auch Dichter trat Yoshimoto auf, diskutierte in den 50ern die Kriegsverantwortung von Schriftstellern und Intellektuellen, beeinflusste in den 60ern die japanische Studentenbewegung, hatte großen Einfluss auf die in den 60ern gebildete Neue Linke in Japan und verteidigte in den 80ern die aus dem konsumorientierten Kapitalismus entstandenen Konsumgüter.

Der kompliziert schreibende und denkende Yoshimoto Takaaki ist außerhalb Japans nahezu unbekannt, anders hingegen seine Tochter - Yoshimoto Banana, die in klarer, deutlicher und kurzer Prosa sofort das zum Ausdruck bringt, von dem sie erzählen möchte. Übersetzungen in unzählige Sprachen - das krasse Gegenteil des Vaters. 

Die (im Westen) berühmtere jüngste Tochter Yoshimoto Takaakis trauerte auch auf Twitter um ihren Vater, was die Zeitungen aufschnappten und so kurz vom Tod Yoshimoto Takaakis berichteten. 

Yoshimoto Takaaki ga kataru Shinran
wurde als eines der letzten Werke des stets arbeitenden Yoshimotos veröffentlicht.
(In normalen Buchhandlungen kaum zu erhalten :/)

Yoshimoto Takaaki war trotz seines fortgeschrittenen Alters und schlechten Gesundheitszustandes stets über die aktuelle Lage in Japan informiert und veröffentlichte bis zum Schluss seine eigenen Gedanken diesbezüglich mit der Unterstützung von Itoi Shigesato (糸井 重里). 

Da mir Nachrufe nicht liegen und schon gar nicht einer über Yoshimoto Takaaki möchte ich auf einige lesenswerte Webseiten verweisen:

Ein ausführlicher und gelungener Nachruf auf Yoshimoto Takaaki findet sich in der englischsprachigen Version der Asahi Shinbun:
 Unbedingt zu lesen, für alle, die mehr über den unübersetzten Intellektuellen wissen möchten.

Yoshimoto Takaaki. Ein Kritiker zwischen Dialektik und Differenzvon Reinold Ophüls-Kashima

Und wer mehr als nur einen Nachruf auf Yoshimoto Takaaki lesen möchte, dem sei eines der wenigen Werke über den Intellektuellen auf Deutsch empfohlen:
erschienen 1998 im Iudicum Verlag. (Hijiya-Kirschnereit, Irmela (Hg.): Iaponia Insula. Studien zu Kultur und Gesellschaft Japans (Bd. 8))

 Einen guten Überblick über Yoshimotos Werke erhält man auf der Website des
welches sich zur Aufgabe gemacht hat, alle Werke Yoshimoto Takaakis zu sammeln und herauszubringen. Dieses Projekt wurde in den 1960ern von der Hobonikkan Itoi Shinbun bis heute verfolgt.

2012/03/11

Wie im Flug...

... vergeht die Zeit.
Heute vor einem Jahr wurde Japan von einem Erdbeben der Stärke 9,0 erschüttert, dem folgte ein Tsunami, der mehr als 20.000 Menschen in den Tod riß, und das Unglück im AKW Fukushima I. 

Zu dieser Zeit hielt ich mich in Japan auf und war gerade dabei, dort einen neuen Lebenabschnitt zu beginnen, es kam jedoch anders. Auf Drängen meiner Familie gings zurück, aber nur für einen knappen Monat. Ich hab's durchgezogen und bin in Japan geblieben, habe einen Job gefunden und lebe den Alltag nach 3.11. - wie das verhängnisvolle Datum in Japan genannt wird - so gut es geht. 

Im Augenblick befinde ich  mich jedoch in Österreich. Ferienzeit, die einzige Zeit, in der ich frei nehmen konnte. Genau zum Jahrestag von 3.11. sitze ich unter blauem Himmel und höre das zwitschern der Vögel, die den nahenden Frühling herbeisingen, in einer Idylle, die ich aus Kindheitstagen kenne. 

Überblick einiger Demonstrationen im Großraum Tôkyô für den 3.11.2012

Vor ein paar Tagen gings auch nach Wien, um alte Freunde wieder zu treffen. Wie es so ist, wenn man sich lange Zeit nicht gesehen hat, hat man so viel zu erzählen, dass man 50.000 Stunden reden könnte - oder gar nichts. Es gibt einfach zu viel. Und auch viele Fragen, wie es mir jetzt geht, wie es in Tokyo jetzt denn aussieht, wie es sich so lebt, nach so einer Katastrophe, von der Tokyo eigentlich ziemlich verschont wurde. Ja, das Essen ist so eine Sache, da muss man aufpassen, sage ich. Und doch gibt es noch viel zu sagen und andererseits nichts. Es ist zu viel, so dass es einem die Sprache verschlägt.

Im Moment wäre ich am liebsten wieder in Tokyo, in Japan.

2012/02/20

Kuniyoshi - Spectacular Ukiyo-e Imagination

Zum 150sten Todesjahr des Ukiyo-e (jap. Holzschnitt) Künstlers Utagawa Kuniyoshi (歌川国芳, 1798-1861)  konnte man in der Mori Arts Center Gallery in Roppongi vom 17. Dez. 2011 bis zum 12. Feber 2012 ausgewählte Werke des Blockdruck-Meisters aus der Edo-Zeit bewundern.

Kuniyoshi - Spectacular Ukiyo-e Imagionation
Die Kuniyoshi Ausstellung, unter dem englischsprachigen Titel Kuniyoshi - Spectacular Ukiyo-e Imagination wurde in zwei Teile aufgegliedert, wobei ich leider den ersten Teil (17.12.2011-17.1.2012) verpasst hatte. Anfang Feber kam jedoch eine Freundin aus Wien zu Forschungszwecken nach Japan und da war es nur geradzu passend, dass sie 1) ein großer Fan von Kuniyoshi ist und 2) über Ukiyo-e forscht. :D Also hatte ich die Gelegenheit, mit einem Experten verschiedene Ukiyo-e Museen zu besuchen und hab auch einiges dabei gelernt.

Unsere erste gemeinsame Station war nun die Ausstellung zu Kuniyoshi. 
Roppongi - im Hintergrund der Roppongi Hills Mori Tower
Ich bin nicht gerne in Roppongi und auch dieses Mal war es leider eine Qual für mich, dorthin zu kommen. Aber um Original-Drucke des "ultimativen Grafikers der Edo-Zeit" - so wurde Kuniyoshi vom Kurator der Ausstellung bezeichnet - zu sehen, wagt man doch auch ein kleines Abenteuer. Selbst bis nach Roppongi. Das eigentliche Abenteuer war die Frage, ob ich denn überhaupt zu meiner Freundin finden würde - da sie kein Handy in Japan hat und "treffen in Japan ohne Handy" nicht einmal in der Theorie stand hält.