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2016/07/23

Literatur Spaziergang durch Kamakura: Hagiwara Sakutarô, der Grosse Buddha und der Hasedera

Dass das malerische Städtchen Kamakura im Süden von Tokyo bekannt für seine unzähligen Tempel und die Surfer in der Shonan Bucht ist, dürfte wohl den meisten geläufig sein. Aber auch viele japanische Literaten hausten und hausen in der Stadt, die vor fast 1000 Jahren das Regierungszentrum Japans war und nach der auch ein eigenes Zeitalter, die Kamakura Zeit (1185-1333), benannt wurde. Zu den berühmtesten japanischen Schriftstellern, die in Kamakura wohn(t)en zählt wohl Murakami Haruki, aber auch viele andere Schriftsteller und Philosophen haben für eine längere Zeit in dieser Stadt gewohnt. 

Der Engaku-ji in Kamakura, Mai 2011
Natsume Soseki übte Zen im Engaku-ji aus und schrieb darüber in seinem Roman Mon. Moderne Schriftsteller wie Tanizaki Junichirô, Izumi Kyôka, Kunikida Doppo, Dazai Osamu, Arishima Takeo oder Shimazaki Tôson zählen auch dazu. 
 Unter den Dichtern finden sich Berühmtheiten wie Nakahara Chûya, Hagiwara Sakutarô, Miyoshi Tatsuji oder Masaoka Shiki, Takahama Kyoshi, Yosano Akiko, etc. 

Poster zur Ausstellung "Maboroshi wo miru hito"(Der Mensch, der Visionen sieht)

2014/09/20

Higanbana - das Nirvana-Blümchen

Das "Nirvana-Blümchen", auf japanisch Higanbana (彼岸花)genannt, ist um diese Jahreszeit hie und da anzutreffen. Der richtige Name lautet Lycoris radiata und der englische Name ist auch sehr passend: red spider lily.

Traditionell in Rot
Diese hübschen, hauptsächlich rot, aber auch manchmal weiss blühenden Amaryllisgewächse sind in ganz Japan anzutreffen und wurden vermutlich vor langer, langer Zeit von China nach Japan gebracht. Sie blühen vor allem zur Zeit des higan (彼岸), also des Nirvanas. Higan ist neben O-Bon ein weiterer Zeitraum, in dem den Toten gedacht wird und nahezu alle buddhistischen Sekten in China und Japan feiern diese Zeit. Sie fällt mit der Tag-und-Nachtgleiche im September, sowie mit dem Beginn der Reisernte zusammen.

higanbana

2014/08/17

O-Bon in Tateyama

Über die O-Bon-Feiertage sind wir mit Hund und Kegel nach Tateyama, zu einem Onkel meines Freundes gefahren. 

Eine der Hauskatzen, Sakura

Die Katzen des Onkels waren über den hundischen Besuch überhaupt nicht erfreut, vor allem Tora hat seinen Unmut laut Kund getan, so heftig, dass er beim Maulen sabberte. XD 

2013/06/23

Fuji-san: neues UNESCO-Weltkulturerbe

Der Fuji-san (富士山), mit höchster Berg und Nationalstolz Japan, wurde in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen!

Neues Weltkulturerbe: Der Fuji-san als heilige Stätte und Quelle künstlerischer Inspiration
(vom Hausberg Tôkyôs, dem Takao-san, aus gesehen)

Allerdings wurde der in den Präfekturen Shizuoka und Yamanashi liegende Vulkan nicht als schützenswertes Naturerbe registriert, sondern als "heilige Stätte und Quelle künstlerischer Inspiration" in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen. 
Die Begründung für die Ernennung zum neuen Weltkulturerbe bezieht sich tatsächlich nur auf die religiöse und künstlerische Funktion des Fuji-san.

Google Japan würdigt den Fuji ebenfalls

Als kultureller Wert des 3.776 m hohen (noch aktiven) Vulkans wird von Seiten der UNESCO berichtet, dass er bereits  seit dem 11. Jahrhundert in der japanischen Kunst verewigt wurde, und auch vor allem als ein beliebtes Motiv der Holzdrucke des 19. Jahrhunderts weltweit als "Symbol Japans" Bekanntheit erlangte und einen großen Einfluss auf die Entwicklung der westlichen Kunst hatte. 

Der Fuji-san bei Sonnenuntergang von Fuchû aus gesehen

Weiters wurde der Fuji-san auch in seiner Funktion als religiöse Stätte gewürdigt. Gemeinsam mit dem Berg als "Symbol Japans" wurden 25 Stätten aufgenommen, die die religiöse Landschaft des Fuji wiederspiegeln. Im 12. Jhd wurde der Fuji-san Zentrum des asketischen Buddhismus, welcher auch shintoistische Elemente enthält. Darüber hinaus wurden die Pilgerrouten der letzten 1.500 m mit den an ihnen gelegenen Krater-Schreinen und der am Fuße des Berges gelegene Sengen-jinja Schrein in die Liste aufgenommen. 
Aber ein bißchen Natur darf natürlich nicht fehlen - Lavaformationen, Seen, Quellen und Wasserfälle, die als heilig erachtet werden, sind ebenfalls inkludiert. :)

Herzlichen Glückwunsch! (Und bitte nicht ausbrechen!)
★☆★おめでとうございます!★☆★

Ältere Blogeinträge auf fujimi-tea über den Fuji-san:

Weiterführende Links:

2012/11/21

Spaziergang durch die Shuzen-ji Onsenregion

Eine erste, zaghafte Herbstlaubfärbung
setzte bereits ein
Bevor wir im Ryokan Kikuya eincheckten, gab es einen ausgiebigen Spaziergang durch die kleine Onsenregion und Umgebung von Shuzen-ji (修善寺). 
Als besondere Sehenswürdigkeiten gelten nebst unzähligen Onsen natürlich der Tempel Shuzen-ji, das Tokko no yu, der kleine Bambuswald und der Akagaeru-koen.
Abgesehen davon bietet die Umgebung des Shuzen-ji auch viel Historisches. 
Einige wurden dorthin verbannt und im Onsen ermordet (Minamoto no Yoriie, 源頼家 und 13 seiner Vasallen, die seinen Tod rächen wollten), andere spuckten Blut und hatten Nahtoderfahrungen (Sôseki), wieder andere Vorahnungen über ihr frühzeitiges Ableben (Shimaki Kensaku) und anderen wuchsen Haare, wo keine sein sollten (der Statue des großen Sonnenbuddhas im Shuzen-ji).


Tokko no yu (独鈷の湯)
Dem Tempel Shuzen-ji gegenüber am Katsura-Fluss liegt das Tokko no yu, eine kleine Thermalquelle, in der man die Füße baumeln lassen kann.

2012/10/29

Hôryûji - Tempel der Lehre Buddhas & älteste Holzbauten

Der Hôryû-ji (法隆寺) liegt in der Präfektur Nara, allerdings nicht in Nara Stadt, sondern in der Stadt Ikaruga. Besondere Bedeutung erhält der Horyû-ji dadurch, dass auf dem Tempelgelände die ältesten noch erhaltenen Holzgebäude der Welt stehen, weswegen er 1993 ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen und unter Denkmalschutz gestellt wurde. 

Ältestes Gebäude aus Holz: der Hôryû-ji
Jedes Mal als ich Nara besuchte, wollte ich auch zum Hôryû-ji gehen, doch es hat sich leider nie ergeben, da er doch weiter weg von der Stadt Nara liegt und sich meine Ausflüge nach Nara immer stets auf das Stadtgebiet beschränkt hatten. Dieses Mal war es aber wenigstens so weit! 

2012/01/09

Kyôto Special: Zu Neujahr im Kimono

Cremefarbener Furisode
mit blauen Chrysanthemen
Den ersten Schreinbesuch im neuen Jahr - auch hatsumôde genannt - hatten wir eigentlich schon in der Nacht des 1.1. in Tôkyô absolviert, als wir zum Anazawa Tenjinja gegangen sind. Prinzipiell kann man hatsumôde jedoch so oft machen, wie man möchte, also war nun hatsumôde in Kyôto angesagt.

Dafür hatte sich die Schwester meines Freundes etwas besonderes einfallen lassen - Kimono!
Ich hab zwar schon mal Yukata (浴衣) in Japan getragen, dünne (und günstige) Baumwollkimonos für den Sommer, aber einen echten Kimono hatte ich noch nie an, da erstens die Gelegenheit so etwas zu tragen fehlte und ich auch nicht wirklich einen besitze. Im Gegensatz zu einem normalen Yukata, den man schon um ca. 5,000 bis 8,000 Yen im Set (samt Obi 帯, dem Gürtel) in normalen Läden kurz vor der Yukata-Saison kaufen kann, kostet ein Kimono unmengen an Geld.  

Zwei schöne Damen im Kimono im Yasaka Jinja, Kyôto
Jedoch besitzt die Schwester meines Freundes irrsinnig viele Kimonos, da sie sowas recht gerne mag und hat mir auch ihre Kimono-Schatzkiste gezeigt. Unglaublich! Was da an tausenden und abertausenden von Euros in Stoffform in ihrem Kimono-Zimmer aufbewahrt ist! Beneidenswert. Sie macht seit kurzem auch japanischen Tanz, wobei natürlich die Gelegenheiten, einen schönen Kimono zu tragen, drastisch steigen. :P

Die Stationen des 3.1.2012:
1. Yasaka Jinja - 八坂神社
2. Noh-Theater im Kongô Nôgakudô - 金剛能楽堂
3. Higashiyama Jishô-ji/東山慈照寺 (Ginkaku-ji - 銀閣寺)
4. Philosophen Weg - 哲学の道
5. Sushi - 寿司

2012/01/01

Frohes Neues Jahr - 明けましておめでとうございます

Ich wünsche allen ein

Frohes Neues Jahr!
明けましておめでとうございます


Frohes Neues Jahr!
2012 steht ganz im Zeichen des Drachens

Kenchô-ji, Kamakura
建長寺・鎌倉市
Obwohl in Japan das Neujahr traditionellerweise ein Familienfest ist, habe ich es im engsten Freundeskreis verbracht. Es gab einen Mix  österreichischer, deutscher und japanischer Spezialitäten, darunter Oden und Toshikoshi-Soba, die zu Neujahr (noch vor Mitternacht!) verspeist werden.

Danach ging es ab zum hatsumôde (初詣), dem ersten Tempel/Schrein-Besuch im neuen Jahr. Ganz in unserer Nähe auf einem kleinen Berg liegt ein kleiner Schrein, der nicht von so vielen Menschen wie der Meiji Schrein uä besucht wird, deswegen war die Atmosphäre wirklich wunderbar! 
Anazawa Tenjinsha in Inagi, Tôkyô
穴澤天神社・東京都稲城
Nach dem Schreinbesuch ging es zu Hause weiter - mit Speis und Trank. Zu Mittag haben sich die Ersten verabschiedet, inzwischen wurde kurz Japan durchgeschüttelt (siehe derStandard online), bei dem jedoch Gröberes passiert ist, und jetzt wird noch eine Partie Shogi (将棋, jap. Schach) gespielt. 

Drachenklaue im Feuer? :P
Morgen steht der Familienbesuch in Kyôto an, am 4. Jänner sind wir wieder zurück in Tôkyô.

Danach gibt es detailierte Einträge, wie man das Neue Jahr in Japan begehen kann und die anschließenden Neujahrsfeiertage verbracht worden sind.

Ich freu mich schon drauf!

2011/12/28

Shiwasu - Alles hetzt zum Jahresende hin

Der 12te und letzte Monat eines Jahres wird nicht nur in Europa stressig verbracht!
In Japan trägt der Dezember dem alten japanischen Kalender nach den Namen "Shiwasu" (師走), was so viel bedeutet wie "Der Meister rennt".
Shiwasu

Wieso rennt der Meister im Dezember herum?
Meister (shi, 師) bezeichnet buddhistische Mönche, und gegen Jahresende - wenn alles und jeder mit den Vorbereitungen aufs Neue Jahr in Hektik versinkt - beginnen sogar diese sonst ruhigen  und besonnenen Mönche, hektisch herumzulaufen. Die Mönche sind im Stress, weil sie gegen Jahresende für jede Familie eine Zeremonie abhalten müssen, bei denen Sutren rezitiert werden und gebetet wird (お経をあげる, okyô wo ageru). 
   
Der Ausdruck "Selbst der Meister läuft herum" (匠さえも走/Shishô sae mo sûsô) wurde auf "Meister läuft" also shisû (師趨) gekürzt, welches wiederum zu shihasu (師走) wurde, das mittlerweise shiwasu ausgesprochen wird.
  Zumindest wurde es so in dem alten Wörterbuch Irohajirui-sho (色葉字類抄) festgehalten, welches gegen Ende der Heian-Zeit (794-1185) zusammengestellt worden war. 

Und tatsächlich: Der Meister rennt!
Aber es gibt noch eine andere Erklärungen für die Bezeichnung "Shiwasu". Es soll von "Der Monat, in dem das Jahr zu Ende geht" - toshi hatsuru tsuki (年果つる月) bzw. shihatsu tsuki (為果つ月) -  abgewandelt worden sein. Oder von shihatsu (四極), welches so viel heißt wie "der Monat in dem die vier Jahreszeiten enden" (四季の果てる月). 

Wer glaubt, das ist schon längst vorbei - der irrt! Ich dachte nicht, dass mich die Shiwasu-Stimmung packen würde, aber je mehr sich das Jahr zu Ende neigt, desto mehr Stress kommt auf mich zu. Weihnachten und das japanische Neujahr in so kurzen Abständen unter einen Hut zu bringen ist stressiger als ich mir erwartet hätte, aber ich gehe eh alles mit einer österreichischen Gemütlichkeit an. >:P

Links:






2011/12/25

Kamakura Special: Engaku-ji im Herbst

Mitte Dezember ist es an manchen Orten in Honshû, der Hauptinsel Japans, noch möglich, die schöne Herbstlaubfärbung (kôyô, 紅葉) zu bewundern. Kôyô bezeichnet nicht nur die rot gefärbten Ahornblätter (momiji, 紅葉), sondern auch die kräftig gelb gefärbten Ginkoblätter (ichô, 銀杏/いちょう).
In Kamakura gibt es natürlich viele Plätze, an denen man die Herbstlaubfärbung betrachten kann, jedoch sind der Tsuru-ga-oka-Hachiman-gu (Ginko) und der Engaku-ji (Ahorn) eine gute Adresse für Erstbesucher. 

Engakuji im Herbst
Im Mai diesen Jahres habe ich zum ersten Mal den Engaku-ji besucht und festgestellt, dass es dort reichlich Ahorn gibt. Im Herbst müsste das also wunderbar in leuchtendes Rot getaucht sein. Leider fiel die diesjährige Herbstlaubfärbung nicht so schön aus, auch in den Nachrichten wurde gebracht, dass sie sich einerseits immer weiter in den Dezember verschiebt und andererseits die meisten Blätter bereits auf den Ästen vertrocknen, bevor sie leuchtend rot werden.

Engakuji im Herbst
Über den Engaku-ji selbst habe ich ja bereits im Mai gebloggt, also werde ich jetzt im Grunde eigentlich nur die Bilder des Engaku-ji im Herbst ins Blog stellen. Als wir die Eintrittskarten kauften, fragte ein Mann vor uns, ob man denn noch momiji sehen könnte und die Frau am Kartenschalter meinte, dass man noch ein wenig übrig sei. Scheinbar wäre es doch besser gewesen, eine Spur früher hinzugehen, obwohl auf Weathernews gerade jetzt als richtige Zeit angegeben wurde, in Kamakura die Laubfärbung anzusehen.

Aber nun zu meiner kleinen Bildersammlung vom Engaku-ji im Herbst:

2011/11/27

Takao-san: Unter den Schwingen des Tengu

Roter Ahorn, geflügelte Bergdämonen und ein Blick auf den Fuji-san

Der nur 599 m hohe Hausberg vor den Toren Tôkyôs wird Takao-san (高尾山、"Hoher Schwanz-Berg" ;P) genannt und bietet für Großstädter ein ideales Naherholungsgebiet, da man dank Keiô oder Chûô Linie von Tôkyôs Stadtzentrum aus nur eine Stunde benötigt. Immerhin ist er nur 50 km vom Stadtzentrum entfernt.
Zum Berg Takao gehört auch der Meiji no Mori Takao Quasi National Park (bzw. Meiji Memorial Forest Takao Quasi National Park; jap: 明治の森高尾国定公園, Meiji no Mori Takao kokutei kôen), welcher ein Gebiet von 7.77 km² umfasst, der kleinste Quasi-National Park ist und 1967 von der jap. Regierung ins Leben gerufen wurde.

Der japanische Wetterdienst Weathernews.jp bietet online eine "Herbstlaubfärbungs-Vorschau" (auf jap. westentlich kürzer mit 紅葉情報, kôyô-jôhô) an, bei der man den Status der Herbstlaubfärbung an verschiedenen Orten Japans abrufen kann. Jetzt ist beim Takao-san angeschrieben, dass es die beste Zeit ist, das Herbstlaub zu betrachten (見頃, migoro) - und es war nicht gelogen!
Bereits am Fuße des Berges erstrahlt der japanische Ahorn
Obwohl der Takao-san relativ niedrig ist, bietet er doch eine tolle Aussicht auf Tôkyô, Yokohama und den Fuji-san. Es gibt eine Gondel und einen Sessellift, so dass man mit beinaher jeder Kondition den Gipfel erstürmen kann. Insgesamt gibt es 7 Routen (alle durchnummeriert bis 6 plus den Inari-san Course) auf denen man für jeden Schwierigkeitsgrad sein individuelles Bergerlebnis durchlaufen kann. Mein erster Besuch auf dem Takao-san war vor 3 Jahren im November, damals wählte ich Route 6, die eigentlich einen relativ hohen Schwierigkeitsgrad hat und nur noch von dem Inari-san Course übertroffen wird.

Obwohl die Blätter bereits abgefallen sind, blüht noch die Jûgatsu Zakura, eine Kirschblütenart, die sich auf den Herbst spezialisiert hat :D

2011/08/19

Kyôto Special: Daimonji Gozan Feuer Festival

Brennende Berge als Wegweiser in die Unterwelt

Jährlich findet am 16. August in Kyôto das Daimonji Gozan Okuribi (大文字 五山送り火) statt. An diesem Tag endet in Japan O-Bon (お盆), welches so viel wie das japanische Pendant zu Allerheiligen ist.
Daimonji in Kyôto (Kyôto Shinbun)

Zu O-Bon (13.-15. August) fahren die meisten Japaner, nach Hause bzw. an die Grabstätten ihrer Vorfahren, um den Verstorbenen zu Gedenken. 
Sprich, ganz Japan ist unterwegs - dieses Jahr war ein besonders hohes Verkehrsaufkommen in Richtung Tohoku bzw. Fukushima zu verzeichnen, da viele, die durch Tsunami und AKW-Unfall nicht mehr in ihre Häuser zurückkehren können, extra an O-Bon zu den Grabstätten ihrer Familien zurückgefahren sind. Nicht nur die Autobahnen, auch Plätze in Zügen und Flugzeugen sind zu diesem Fest ausgebucht. 
Zu O-Bon kehren auch die Verstorbenen zurück zu ihren Familien, und um ihnen den Weg aus dem Reich der Toten in das der Lebenden zu erleichtern, wird ein Mukaebi (迎え火), ein kleines Feuer, entfacht. Meistens wird das mukaebi am 13. August oder 13. Juli (nach dem Mondkalender wird O-Bon am 15. des 7. Monats gefeiert, in einigen Regionen Japans beginnt O-Bon am 13. Juli und endet am 15. Juli) vor dem Haus angezündet. 

2011/08/15

Kamakura Special: Die Schreine von Enoshima Teil 1

Teil 1: Die schöne Benzaiten und der verliebte Drache

Die kleine Insel Enoshima, mit einem Durchmesser von knapp 4 km, befindet sich an der Sagami Bucht der Stadt Fujisawa in der Präfektur Kanagawa. Die Insel liegt in relativ greifbarer Nähe zur Stadt Kamakura und wird mit der Eno-Den (Enoshima Dentetsu) genannten Zuglinie mit dem Bahnhof Kamakura verbunden.
Deswegen ist es auch ideal, bei einem 2-tägigen Aufenthalt in Kamakura einen Abstecher nach Enoshima zu machen (wobei man sich schon zumindest einen halben Tag für die Besichtigung einplanen sollte). 
Bahnhof Enoshima

2011/07/18

Kawasaki Daishi Windspiel-Stadt & Samba

Ein Daruma-Windspiel, welches vor Gefahren schützt...

Windspiele mit dem japanischen Daruma als Motiv


Sowie weitere 900 Windspiele aus den 47 Präfekturen Japans wurden im Rahmen der 16. Kawasaki Daishi Furin-shi (Windspiel-Stadt) ausgestellt. 
Gotenmari-Furin aus der Präfektur Akita
Das Event findet vom 17.-21. Juni statt und ist im Kawasaki Daishi in Kawasaki zu besichtigen (bzw. auch dementsprechende Windspiele können erworben werden, sofern sie nicht schon ausverkauft sind :D)

Der Kawasaki Daishi, der dem Priester Kukai (auch Kobo Daishi genannt) geweiht ist, ist etwa 8 Minuten Fußweg von der Bahnstation Kawasaki Daishi entfernt und vom Bahnhof Kawasaki aus mit der Keihin Kyûkô Linie zu erreichen. 

2011/06/30

Neues UNESCO Weltkulturerbe in Japan

Am 24. Juni 2011 wurden die Ogasawara Inseln sowie die Tempel, Gärten und archeologischen Stätten von Hiraizumi (Iwate) zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt!

おめでとうございます!

Ogasawara Inseln
Die Ogasawara Inseln bestehen aus insgesamt 30 Inseln, die in drei Gruppen zusammengefasst sind und umfassen 7.393 Hektar. Die Inseln sind bekannt für ihre Vielfalt der Flora und Fauna und beheimaten auch viele, vom Aussterben bedrohte Tierarten, wie die seltene Fledermausart Bonin Flying Fox (Pteropus pselaphon) sowie 195 gefährdete Vogelarten.
Im Wasser um die Insel herum herrscht genauso eine Artenvielfalt wie am Land: zahlreiche Fisch- und Walarten und Korallen tummeln sich im Meer. Das Ökosystem der Ogasawara Inseln spiegelt eine weite Reihe von evolutionären Prozessen wieder, die durch die Ansammlung von Pflanzenarten aus dem Südwesten und Nordwesten Asiens, sowie vielen heimischen Arten, aufgezeigt werden.

Hiraizumi
Die Tempel, Gärten und archeologischen Stätten representieren den "Reinen Land Buddhismus". Fünf Stätten, inklusive des Berges Kinkei (Kinkei-san) sowie Überreste der Regierungsgebäude aus dem 11. und 12. Jahrhundert, als Hiraizumi das administrative Zentrum Nordjapans war und mit Kyôto konkurrierte, wurden in Hiraizumi zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt. Das Gebiet basiert auf der Kosmologie des "Reinen Land Buddhismus", welcher im 8. Jhd. nach Japan gelangte.
Hiraizumi representierte das reine Land Buddhas, auf das die Menschen nach ihrem Tod hofften, sowie den geistigen Frieden im diesseitigen Leben. Der "Reine Land Buddhismus" hat in Kombination mit der einheimischen japanischen Verehrung der Natur und dem Shintoismus ein Konzept der Gartenplanung und -gestaltung entwickelt, welches einzigartig japanisch ist.


Weiterführende Links:
UNESCO Weltkulturerbe - Hiraizumi
(Englisch)
UNESCO Weltkulturerbe - Ogasawara Inseln (Englisch)

2011/06/16

Takahata-fudô-son - schöner Mann - schöner Tempel

Ein Tempel für Otakus - Shinsengumi & Hijikata

Die Keiô-Linie hat ein kleines Heftchen herausgebracht, welches über drei interessante Tempel informiert, die per Keiô zu erreichen sind. Über einen davon, den Jindai-ji in Chôfu, habe ich bereits hier einen Eintrag geschrieben. Der zweite der drei alten Tempel ist der Takahata-fudô-son in Hino, Tôkyô. (Der dritte befindet sich am Berg Takao, der demnächst auch abgegangen wird!)

Der Takahata-fudô-son in Hino
Statue Hijikata Toshizôs
Der Takahata-fudô-son wird in dem Heftchen für seine vielen buddhistischen Statuen angepriesen, jedoch ist er unter ausländischen Besuchern vor allem für die Shinsengumi und deren Anführer Hijikata Toshizô.
Ganz kurz eine Einführung zu den Shinsengumi: Diese "neue auserwählte Gruppe" setzte sich ursprünglich aus rônin, herrenlosen Samurai, zusammen, die in der Edô-Zeit (1603-1868) für das Shogunat und gegen den Tennô kämpfte. Die Shinsengumi stellten die letzte (bekannte) Samuraimiliz dar und waren vor allem um 1860 in Kyôto aktiv.

Wie kommt es dann, dass sich in Tama-shi, einer Vorstadt Tôkyôs, ein Tempel befindet, der den Shinsengumi und vor allem Hijikata gewidmet ist? 


2011/06/08

Wasser auf alten Mühlen - 1278 Jahre Jindai-ji

Eine alte Mühle beim Jindai-ji
Jindai-ji | 深大寺

 Errichtet im Jahre Tenpyô 5 (das Jahr 733 nach westlicher Zeitrechnung) ist der Jindai-ji neben dem Senso-ji in Asakusa der älteste buddhistische Tempel in der Metropolregion Tôkyô. Er befindet sich außerhalb der 23 Bezirke Tôkyôs, in der Stadt Chôfu und ist entweder durch einen gemütlichen und ausgedehnten Spaziergang vom Bahnhof Chôfu entfernt zu erreichen oder man begibt sich ab Chôfu Station (Nordausgang) in den Keiô-Bus Nr. 34 in Fahrtrichtung Jindai-ji auf den Weg dort hin.


Der Tempel ist ebenfalls mit dem Keiô-Bus Nr. 21 von der Station Tsutsuji-ga-oka (wieder Nordausgang) oder mit den Odakyu-Bussen Nr. 65 (Abfahrt: Bahnhof Mitaka) und Nr. 04 (Abfahrt: Bahnhof Kichijôji) zu erreichen. 


2011/05/17

Ausflug nach Kamakura - Engaku-ji

Eingangstor des Engaku-ji in Kamakura, Japan
In der Golden Week, welche eine aus vielen aneinandergereihten Feiertagen bestehende Ferienwoche darstellt, sind wir kurz auf einen Sprung nach Kamakura gefahren und haben dort den Engaku-ji besichtigt. Leider war - da ganz Japan frei hat - viel los. Die diesjährige GW war zwar tourismustechnisch nicht so ein Erfolg, da viele Reisen - vor allem nach Tohoku - aufgrund des Erdbebens storniert wurden. Auch Auslandsreisen gingen verhältnismäßig stark zurück - dafür stiegen Reisen in die Region, was wir leider auch bei Kamakura erfahren mussten. Die Leute aus Tokyo und Umgebung "verreisten" nach Tokyo und Umgebung.

Sanmon ("3.Tor") von der Seite
Aber nun zum Engaku-ji: Sein offizieller Name lautet Zuirokuzan Engaku-ji, oft einfach zu Engaku-ji abgekürzt. Der buddhistische Tempel in Kamakura (genauer gesagt, direkt nebst dem Bahnhof Kita-Kamakura), dessen Name so viel wie "Sutra der vollkommenen Erleuchtung" bedeutet, stellt einen der Haupttempel der Rinzai-Sekte (= buddh. Untergruppe, nicht zu verwechseln mit unseren Sekten!) dar. Errichtet im Jahr 1282 wurde er als Gedenkstätte der Mongoleninvasion errichtet, nachdem sein ursprünglicher Verwendungszweck - der chinesische Mönch Lanxi Daolong - bereits verstorben war. Sein Besitzer, Hojo Tokimune, setzte seinen Zen-Lehrer Wuxue Zuyuan (einen weiteren Mönch der gattung Daolongs) als Vorsteher ein und viele chinesische Mönche kamen zum Studieren an den Tempel. Der Engaku-ji entwickelte sich zu einem der bedeutensten Zen-Tempel und stellte eine Art kulturelle Verbindung zwischen der chinesischen und japanischen Kultur dar.