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2016/03/09

Tell the Prime Minister/首相官邸の前で von Oguma Eiji

Eine Dokumentation über die Anti-Nuke Demonstrationen im "post-Fukushima" Japan

Der Dokumentarfilm Tell the Prime Minister/首相官邸の前で von Oguma Eiji wurde September 2015 erstmals in Japan aufgeführt. Der Film behandelt die japanischen Anti-AKW Proteste vor der Premierministerresidenz, wo sich zu Höchstzeiten bis zu 200.000 Demonstranten versammelten, was jedoch von den internationalen Medien weitgehend unbeachtet blieb. 

 Trailer zu Tell the Prime Minister

Im Zentrum des Films stehen acht japanische sowie nicht-japanische Personen: ein Flüchtling aus Fukushima, ein Aktivist, ein Ladenangestellter, ein Künstler, ein Krankenhausmitarbeiter und ein Angestellter, Es wird gezeigt, wie diese unterschiedlichen Leute mit der Krise nach dem 11. März 2011 umgehen. 

Der Regisseur Oguma Eiji (小熊英二) ist Professor an der Fakultät für Politikwissenschaften der Keio Universität. Sein Fachgebiet ist Historische-Soziologie und Interdisziplinäre Soziologie. Er befasst sich in seiner Forschung eingehend mit Nationaler Identität und Nationalismus, Kolonialismus, Demokratie und sozialen Bewegungen in Japan.

Dieses Jahr jährt sich die 3fach Katastrophe vom 11. März 2011 zum 5ten Mal. In diesem Rahmen wird in sowie ausserhalb Japans auch Ogumas Film Tell the Prime Minister gezeigt. Ein kleiner Auszug:

Zürich, Schweiz
2016 March 10th, 7:30pm
Rote Fabrik
Seestrasse 395, 8038 Zürich
http://www.rotefabrik.ch/de/home/

Deutschland, Heidelberg
2016 March 11th, 7:00pm
*Screening & Talk with Director
http://www.zo.uni-heidelberg.de/japanologie/
Karlstorkino
Am Karlstor 1, 69117 Heidelberg
http://www.karlstorkino.de

Anschliessend tourt Oguma Eiji durch Deutschland und nach den Filmvorführungen gibt es auch Gesprächsrunden mit dem Regisseur, unter anderem in Freiburg, Leipzig und Berlin. 


2015/08/06

70 Jahre Hiroshima Nagasaki 1945 - 2015

  •  70 Jahre Hiroshima Nagasaki 1945 - 2015
Heute vor genau 70 Jahren, am 6. August 1945 detonierte über der Westjapanischen Stadt Hiroshima um 8:16 Uhr morgens die Atombombe "Little Boy". Innerhalb weniger Augenblicke wurden bis zu 80 Prozent der Innenstadt Hiroshimas vernichtet, 70 bis 80.000 Menschen starben sofort - von vielen Menschen blieben nichts als Schatten auf Mauern übrig. Über diejenigen, die überlebten, fiel 20 Minuten radioaktiver Niederschlag - besser bekannt als "Schwarzer Regen". Jene Menschen, die nicht sofort starben, starben an den Spätfolgen ihrer Verletzungen oder der Strahlung. Bis 1946 starben je nach Schätzungen zwischen 90 bis 166.000 Menschen starben an den Spätfolgen "Little Boys".(1) Die überlebenden Strahlenopfer werden hibakusha genannt und wurden noch lange Zeit in Japan diskriminiert.

Sada Masashi - Hiroshima no Sora

Nur 3 Tage später, am 9. August 1945, detonierte über der Hafenstadt Nagasaki um 11:02 Uhr vormittags die zweite Atombombe "Fat Man". Durch die bergige Umgebung Nagasakis wurde die Wucht der Detonation ein wenig abgebremst, aber in einem Umkreis von einem Kilometer wurden 80 % der Gebäude zerstört und in der Innenstadt starben bis zu 22.000 Menschen sofort. Insgesamt werden die Todesopfer in Nagasaki zwischen 70 bis 80.000 Menschen geschätzt. 
Am 15. August 1945 erfolgte die Kapitulation Japans und somit auch das Ende des Pazifischen Krieges.

2015/07/17

Interpretation der Verfassung - "Kollektive Selbstverteidigung" oder "Kollektiver Selbstmord"?

Gestern wurde im japanischen Parlament trotz heftiger Proteste der Opposition und der Bevölkerung ein Gesetz erlassen, welches eine Neuinterpretation der Verfassung, genauer gesagt des 9ten Verfassungsartikels, gestattet. 

Was ist der Artikel 9 der japanischen Verfassung? 

Zunächt sei erwähnt, dass die derzeitige Verfassung Japans fast 70 Jahre alt ist. Nach dem 2ten WK wurde die japanische Nachkriegsverfassung gemeinsam mit den amerikanischen Verfassern herausgearbeitet und 1946 veröffentlich. 

Artikel 9 ist der "Friedens-Artikel", der kriegerische Auseinandersetzungen und den Unterhalt eines Militärs verbietet. Natürlich hat Japan ein "Militär" und ist auch eines der Länder mit den höchsten Militärausgaben weltweit. Allerdings nennt man das japanische Militär "Selbstverteidigungskräfte" (自衛隊) und sie sind genau dazu da - um Japan im Falle des Falles zu verteidigen. 
Dh, nur für den Fall, dass Japan direkt bedroht wird, rücken die Selbstverteidigungskräfte aus. Und natürlich bei Naturkatastrophen.

2013/03/11

2 Jahre danach...

Heute vor 2 Jahren - am 11. März 2011 - ereignete sich um 14:46 das Tohoku-Erdbeben, welches eine Magnitude von 9,0 erreichte. Die meisten der fast 19.000 Toten und Vermissten forderte allerdings nicht das Erdbeben, sondern der Riesen-Tsunami, der sich von der Pazifik-Küste Nordjapans bis in den Süden sogar einige Teile der Präfektur Chiba verwüstete. Dem Tsunami folgten am 12. März die Störfälle - Wasserstoffexplosionen - im AKW Fukushima I. 

Weiße Pflaumenblüten
Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade erst ein paar Tage in Japan angekommen, um hier mit meinem Freund ein neues Leben aufzubauen. An das Erdbeben (welches ich in Kawasaki natürlich weniger schrecklich in Erinnerung habe), aber vor allem an die Tage danach möchte ich mich nicht zurückerinnern. Obwohl es natürlich Nichts ist, im Vergleich zu dem, was die Menschen in der direkt von der Katastrophe betroffenen Regionen erlebten. Auch kann ich mir keine Dokumentationen über den Tsunami ansehen, die das ganze Jahr über, aber besonders jetzt zu dieser Zeit vermehrt, im japanischen Fernsehen gibt. 

Dieses Wochenende fand erneut eine Demo gegen Atomkraft statt. Wieder im Yoyogi-Park, aber ich konnte nicht hingegehen. Am 9. März hielt Schriftsteller und Nobelpreisträger Ôe Kenzaburô eine Rede gegen Atomenergie auf der Demonstation. 
Ein Video zu einer Nachrichtensendung über die Demo und die Rede von Ôe findet man hier. 


Und hier von TBS


Vom 9. bis 11. März finden im ganzen Land an verschiedenen Orten Demonstrationen gegen Atomkraft statt. 

Zwei Jahre nach der Natur- und Reaktorkatastrophe geht der Wiederaufbau im Norden Japans nur schleppend voran. Während man in Tôkyô und andernorts rasch wieder zum alltäglichen Trott, hie und da gespickt mit "Kizuna" oder "Ganbaro Nippon" Rufen, übergegangen ist, sieht die Situtation im Nordosten anders aus. 

Eine interessante Reportage über das Leben in den am schlimmsten vom Tsunami und Reaktorunfall betroffenen Gebieten hat die Neue Züricher Zeitung unter dem Titel "Keine Zeit für Wut - Vier Schicksale zwei Jahre nach 'Fukushima'" zusammengestellt. Bislang das beste, was ich zu dem heutigen Jahrestag der Katastrophe in den deutschsprachigen Medien gefunden habe. 


2012/12/17

Neuwahlen in Japan 2012: Gebt dem Falken sein Curry

... damit er wieder gehen kann.

Heute wurden in Japan eine neue Regierung und ein neuer Bürgermeister Tôkyôs gewählt!

Der alte neue Premier Abe (rechts) freut sich mit dem Generalsekretär
der LDP Ishiba über den Erdrutschsieg

Bei den heutigen Neuwahlen in Japan hat die LDP (Liberal Democratic Party, 自民党, jimintô) mit ihrem Zugpferd - dem alten Premier (2006-2007) - Abe Shinzô (安倍晋三, er isst ganz schnell Curry! und ist deswegen wieder fit, Japan zu regieren) einen Erdrutsch hingelegt und die Regierungspartei DPJ (Democratic Party of Japan, 民主党, minshûtô) regelrecht aus dem Parlament gefegt. 
Gut, (nun Ex-)Premier Noda hatte tatsächlich das coolste Wahlplakat, aber es war wohl zu cool und er selbst zu unbeliebt. Mittlerweile ist er auch als Vorsitzender der DPJ zurückgetreten.

Ex-Premier Noda ist nicht begeistert..
Also haben sich 45,42 Prozent der Wähler entschieden, den alten Weg von Herrn Abe zu gehen - der sich zwar schon mal als nicht so toll erwiesen hat. Obwohl so viele Parteien wie noch nie zuvor angetreten sind - viele neugegründete, die sich vor allem die Anti-AKW-Bewegung zu Nutze machen wollten - wurde (wieder) konservativ gewählt. Die LDP ist die Regierungspartei des Nachkriegsjapans und ihre Herrschaft wurde nur zwei Mal - einmal 1993 bis 1994 und 2009 bis jetzt - unterbrochen.


2012/07/18

No Nukes Demo 7.16 - Bilder und Videos

Veranstalter der Demo: Sayonara Nukes (Sayonara Genpatsu)
Hier sind ein paar Bilder und Videos von der Demo vom 16. Juli im Yoyogi Park. Da ich nur mit der Videokamera fotografiert habe, ist die Qualität leider dementsprechend geworden. Auch sind leider die Videos verwackelter als ich gedacht hätte. Ich entschuldige mich für meine zittrigen Hände.


Das nächste Mal wird ein Stativ mitgenommen, das ist vor allem dann nützlich, wenn man anständige Videos der Ansprachen machen möchte. 
In den Videos habe ich versucht so gut wie möglich die Atmosphäre der Demonstration einzufangen. Es waren unglaublich viele Menschen da, und überwiegend die ältere Generation machte sich gegen Atomkraft stark. Allerdings waren auch viele junge Leute und junge Familien mit Kindern dabei. Kurz gesagt, gewöhnliche Bürger Japans. 
Rechtsradikale konnte ich auch keine ausmachen, aber es war wirklich so groß, dass die wohl nicht überall sein konnten. Die meisten Demonstrationszüge gingen leise durch die Straßen und die Ansprachen auf Bühne eins waren toll und bewegend. 
Ich werde ein paar der Reden (Sakamoto, Ôe, Ochiai und ev. noch eine) übersetzen, sobald ich Zeit dazu habe!
Nun zu den Videos:

2012/07/01

Wiederinbetriebnahme des AKW Ôi - 17.000 bis 200.000 Demonstranten vor der Residenz des Premierministers Noda

Vielleicht haben es schon die Leute, die regelmäßig japanische Zeitungen lesen, (mittlerweile) erfahren:
Seit einigen Wochen gibt es im ganzen Land Demonstrationen gegen die geplante Wiederinbetriebnahme des AKW Ôi in der Präfektur Fukui (in dessen 50 km Radius sich die Städte Kyôto und Ôsaka befinden). 

Demonstranten versammeln sich vor und um die Residenz des Premierministers in Tôkyô
29. Juni 2012
geschätzte 17.000 bis 200.000 Teilnehmer

Das AKW Ôi soll heute, am 1.7.2012, wieder den Betrieb aufnehmen, da "genügend Sicherheit" gewährleistet ist und Noda, der derzeitige Premierminister, so fein ist und persönlich die Verantwortung trägt. Das wurde am 13. Juni 2012 beschlossen.
Wie auch immer Noda sich das so vorstellen mag, überzeugen konnte er nicht alle und daher kam es zu einigen Demonstrationen vor der Residenz des Premierministers in Tôkyô und in der Nähe seines Privatwohnsitzes in Funabashi, Chiba. (eine Chronologie der bisherigen Demos vor der Residenz befindet sich weiter unten)

2011/12/05

Pripyatープリピャチ

Pripyat
Am 3. Dezember wurde im Athénée France Kulturinstitut der Film Pripyat des österreichischen Regisseurs Nikolaus Geyrhalter ("Unser tägliches Brot" etc) vorgeführt. Im Anschluss gab es auch eine Diskussionsrunde mit dem Regisseur. 
Japanischer Flyer von Pripyat
12 Jahre nach dem Atomunfall in Tschernobyl verbrachte Geyrhalter mit einem 5-köpfigen Team rund drei Monate in der evakuierten 30-km Zone um das havarierte Atomkraftwerk, um seinen Dokumentarfilm Pripyat zu drehen. Der Film ist komplett in schwarz-weiß gehalten und wie Geyrhalters andere Filme enthält er keine Kommentare des Filmemachers oder Musik, sondern lässt allein die interviewten Menschen, die nach der Evakuierung wieder zurückgekommen sind oder im weiter im Betrieb laufenden Reaktor von Tschernobyl arbeiten, zu Wort kommen. Das einzige, das verändert wurde, ist der Dreh in schwarz-weiß, um die Radioaktivität, die vom Menschen nicht gesehen werden kann, bildlich darzustellen, wie Geyrhalter in der anschließenden Diskussionsrunde erklärte.
 Besonders interessant war, dass obwohl man die 30-km-Zone um den Reaktor herum nicht betreten darf, Menschen wieder von selbst zurückgekommen sind. Unter ihnen wurde ein betagtes Ehepaar portraitiert, welches sich sehr wohl im Klaren darüber ist, dass die Radioaktivtät sehr hoch und es kein Ort zum Leben ist, jedoch schon immer in Pripyat lebte und auch dort bis zum Tod weiterleben möchte. 

Spielplan:
3. Dez. 2011
6. Dez. (Die.) bis 10. Dez. (Sa.) 2011
jeweils Beginn um 15:30 und 19:00 Uhr
*) 9. Dez. (Fr.) 2011: Diskussion zwischen Momoi Kazuma (Fotojournalist) und Shibutani Tetsuya (Filmforscher) nach der Vorstellung von 15:30 Uhr

Eintritt:
Normalpreis 1,200 Yen
Ermäßigung für Mitglieder des Athénée France Kulturinstituts 1,000 Yen
Athénée France Kulturinstitut
Tôkyô, Chiyoda-ku, Kanda Surugadai 2-11
Athénée France 4. Stock
Tel. 03-3291-4339(13:00-20:00)

Diskussionsrunde mit dem Regisseur:
Ich habe jetzt zum ersten Mal den im Jahr 1999 fertiggestellten Film Pripyat von Geyrhalter gesehen und fand die daran anschließende Diskussionsrunde mit dem Regisseur ziemlich interessant. Geyrhalter kommt aus Wien und da er natürlich auf Deutsch sprach, war es für mich wohl von allen am angenehmsten (es sind hauptsächlich Japaner gekommen). Zwei Dolmetscher waren jedoch anwesend. Einer der beiden übersetzte die Fragen des Publikums aus dem Japanischen ins Englische und Geyrhalter gab seine Antwort darauf auf Deutsch, welches von dem zweiten Dolmetscher ins Japanische übersetzt wurde. 
 Dabei fielen mir jedoch einige Probleme auf. Es ist nicht so, dass der japanische Dolmetscher kein gutes Deutsch können würde, da jedoch Geyrhalter Wiener ist, spricht er dementsprechend schnell und nicht so deutlich wie es zB Norddeutsche tun, was wohl ein paar kleine Probleme verursachte. Für mich als Österreicherin ist es natürlich überhaupt keine Schwierigkeit, da der Dialekt aus meiner Region noch schwieriger verständlich ist und schneller gesprochen wird als das Wienerische.
Es lag vielleicht daran, dass der japanische Dolmetscher etwas nervös war und /oder Geyrhalters schnelles Reden nicht gut verstanden hat, jedoch wurden auch (meiner Meinung nach) wichtige Dinge nicht übersetzt.

Bei der Diskussionsrunde stellte das Publikum Geyrhalter verschiedene Fragen und welche sich  auch auf seine persönliche politische Meinung bezogen haben. Zum Beispiel, was er denn persönlich über AKWs denkt. Auf diese Frage hat Geyrhalter direkt geantwortet, und zwar mit "Meiner Meinung nach sind die AKWs keine Zukunft für die Menschen. Sie gehören weg." Dies wurde ein wenig sanfter ins Japanische übersetzt.
 Ich bin selbst kein Dolmetscher, deswegen kenne ich mich auch mit den grundlegenden Regeln des Dolmetschens nicht aus, aber ich denke doch, dass wenn man dolmetscht, es - genauso wie bei einer Übersetzung - so nahe wie möglich am ursprünglichen Manuskript bzw. der Aussage dran sein sollte. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich kein japanischer Muttersprachler bin und mir deswegen die Übersetzung viel zu sanft vorkam, obwohl sie für einen Japaner genügend Pfeffer enthält.

Die Geisterstadt Pripyat, dahinter das AKW Tschernobyl
Leider hatte ich kein Notizbuch mit, aber ich möchte noch einige weitere Beispiele geben.
Geyrhalter meinte zB, dass um das AKW Tschernobyl herum mehr als die Hälfte der Vögel nicht das Erwachsenenalter erreichen und davor bereits sterben. Für mich war das eine wichtige Information. Leider wurde das überhaupt nicht übersetzt. Warum hat Geyrhalter wohl das Vogelsterben als Beispiel genannt. Womöglich wollte er damit sagen, dass wahrscheinlicherweise in 12 Jahren die Vögel rund um das AKW Fukushima ebenso nicht das Erwachsenenalter erreichen und vorzeitig sterben werden.

 Das nächste Beispiel, das mir einfällt , sind die aus Kiev mitgebrachten Lebensmittel, Eine der Zuschauerinnen hat eine interessante Frage gestellt, und zwar, ob die Interviewpartner bzw. gezeigten Menschen in dem Film auch Geld oder so etwas wie eine Entschädigung für ihr Mitwirken bekommen. Geyrhalters Antwort darauf war ebenfalls interessant. Obwohl er bereits so lange Dokumentarfilme dreht, weiß er bis heute nicht, wie er die in den Filmen vorkommenden und interviewten Personen entsprechend entlohnen bzw. entschädigen könnte. Das ist eine verzwickte und sensible Sache, bei der man gut aufpassen muss. Wenn man von Beginn an Geld verspricht, könnte es passieren, dass die interviewte Person nur des Geldes wegen interessante Geschichten berichtet.
 Deswegen hat Geyrhalter beim Dreh des Films Priyat die ganzen drei Monate in der Zone gemeinsam mit den dort lebenden und arbeitenden Menschen verbracht. Sie waren die ersten ausländischen Journalisten, die nicht nur einen Tag in der Zone verbrachten und dann wieder raus nach Kiev fuhren, sondern blieben jeden Tag dort. Dadurch hat er das Vertrauen der Leute gewonnen und sie begannen ihm verschiedenes zu erzählen und letztendlich kamen so viele Leute auf ihn zu, dass er sogar Interviews absagen musste. 

Der AKW-Unfall von Fukushima wurde genauso wie der AKW Unfall von Tschernobyl mit INES 7 bewertet
  Geyrhalter versucht sich auf gleicher Augenhöhe mit seinen Interviewpartnern zu bewegen und möchte ihnen deswegen auch als Dank etwas zurückgeben. Er wusste nicht genau, wie er das hätte anstellen sollte, also hat er die Leute, die in Pripyat vorkommen, gefragt, was sie denn gerne hätten. Da kam die Antwort "Lebensmittel aus Kiev".
Deswegen haben Geyrhalter und sein Team für die Menschen, die in der Zone leben und kein Auto und/oder keine andere Möglichkeit besitzen, die Zone selbst zu verlassen, aus der Hauptstadt Kiev Lebensmittel geholt.
Ich finde, dass dies ebenfalls eine wichtige Information war. 
 Die Menschen sind in die Zone zurückgekehrt und wollen dort bis an ihr Lebensende bleiben, obwohl sie wissen, dass die Radioaktivität sehr hoch, es für die Gesundheit schädlich ist und die dortigen Lebensmittel und das Wasser verseucht wurden. 
 Jedoch wünschten sie sich Lebensmittel aus Kiev, das heißt, Lebensmittel, die nicht verseucht sind. Das wurde leider auch nicht übersetzt.

Natürlich bin ich selbst kein professioneller Dolmetscher, aber ich kann mir gut vorstellen, wie schwierig und hart diese Arbeit ist. Letztendlich denke ich mir, dass es doch enorm schwierig ist, aus dem Wienerischen zu übersetzen. Der japanische Dolmetscher wirkte wirklich nett und aufrichtig (bis auf die zwei, drei aufgezählten Punkte gab es ja sonst nichts zu bekritteln),  ich denke auch nicht, dass er aus einem politischen Grund heraus viele Dinge nicht übersetzte. Ich kann mir vorstellen,  dass es wohl einfach schwierig war, Geyrhalters Deutsch zu verstehen und Geyrhalter selbst sprach in einem natürlichen Fluss und wurde nach und nach immer schneller beim Sprechen. Seine Antworten waren lange und kompliziert, dass Fehler passieren, ist wohl verständlich.

Nichts desto trotz war es eine großartige Diskussionsrunde. Das Publikum stellte viele und vor allem auch interessante Fragen an den Regiesseur.

Am Ende ließ Geyrhalter aber etwas interessantes verlautbaren. Derzeit bereitet er in Japan einen neuen Film vor. Der jedoch keine Dokumentation über das AKW Fukushima werden soll, fügte er am Schluss noch schnell hinzu. 

Nun ja, es verbleibt ein freudiges Warten auf einen interessanten Film über Japan!

日本語はこちら・・・

2011/11/28

Ôsaka als zweites Tôkyô?

Sonntag gingen in Ôsaka die Bürgermeister-Wahl zu Ende und als erfolgreicher Sieger stellte sich der ehemalige Gouverneur Ôsakas, Hashimoto Toru (橋下徹, 42), heraus. 
  Aber es wurden an diesem Sonntag nicht nur neue Bürgermeisterwahlen durchgeführt, sondern auch ein neuer Gouverneur für die Präfektur Ôsaka wurde gewählt. Zum ersten Mal seit 40 Jahren wurden in der Region Doppel-Wahlen durchgeführt. Als Sieger der Gouverneurswahl ging Matsui Ichirô (松井一郎, 47) hervor, ein enger Vertrauter Hashimotos.

Haben gut lachen - Die Sieger der Doppelwahl: Hashimoto (links) und Matsui (rechts)
(Foto: Ônishi Takehiko, Mainichi Shinbun)
Hashimoto und Matsui sind Mitglieder der Osaka Restoration Association, einer lokalen Partei, und durch den Sieg der beiden werden wohl in Japan einige hitzige Debatten geführt werden. Denn Hashimoto, der ehemalige Gouverneur der Präfektur Ôsaka und  nun neuer Bürgermeister der Stadt Ôsaka, hat wohl aufgrund eines revolutionären Wahlversprechens gewonnen. Sein Slogan lautete "Wenn sich Ôsaka verändert, verändert sich auch Japans Zukunft!" (大阪が変われば、日本の未来が変わる)
 
Blick auf Ôsaka bei Nacht
(Foto: (c) fujimi-tea)
Aus mit der Präfektur Ôsaka (Ôsaka-fu) und der Stadt Ôsaka (Ôsaka-shi)! 
Hashimoto möchte das zweitgrößte Wirtschaftszentrum Japans in ein "neues Tôkyô" umwandeln. Die 47 Präfekturen Japans sind in den sogenannten todôfuken (都道府県) eingeteilt. Wobei nur die Metropolregion Tôkyô das "Privileg" des to (都) für sich beanspruchen kann. Die Präfektur Hokkaidô hat ihr Anhängsel bereits im Namen mit "" (道) versteckt und ist die einzige und letzte Präfektur, die ihr dô aus der alten Zeit behalten durfte. Die letzten zwei fu (府) sind Ôsaka und Kyôto. Alle anderen Präfekturen wurden in ken (県) umbenannt.