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2016/07/27

The Voice Between : The Art and Poetry of Yoshimasu Gozo

Yoshimasu Gozo (吉増剛造) dichtet nicht nur, sondern verwandelt die in Worten niedergeschriebene Sprache in richtige Kunstwerke, indem er sie mit verschiedenen Techniken der Malerei, Fotografie, Metallbearbeitung, Film und Ton verändert und weiterentwickelt. Szenen und Ausschnitte aus seinem Lebenswerk kann man noch bis 7. August im National Museum of Modern Art, Tokyo bestaunen und mit nahezu fast allen Sinnen erkunden. 

The Voice Between : The Art and Poetry of Yoshimasu Gozo im MOMAT
声ノマ:全身詩人、吉増剛造展

Yoshimasu Gozo, geboren 1939 in Tokyo, Asagaya, ist einer der wichtigsten Poeten und Künstler Japans, der sich noch bester Gesundheit und genauso hoher Beliebtheit erfreut.
Seit den frühen 1960ern, also noch mit Anfang 20, begann Yoshimasu zu dichten. Sein erster Gedichtband Shuppatsu ("Abfahrt"『出発』) erschien 1964, der zweite Gedichtband Ōgon shihen ("Goldene Lyrik", 『黄金詩篇』) wurde mit dem renommierten Takami Jun Preis ausgezeichnet. Viele weitere Gedichtbände sowie Auszeichnungen folgten, 2013 wurde er mit dem "Orden der Aufgehenden Sonne" ( 旭日小綬章) als "Person mit besonderen kulturellen Verdiensten" (文化功労者) ausgezeichnet.

2016/07/23

Literatur Spaziergang durch Kamakura: Hagiwara Sakutarô, der Grosse Buddha und der Hasedera

Dass das malerische Städtchen Kamakura im Süden von Tokyo bekannt für seine unzähligen Tempel und die Surfer in der Shonan Bucht ist, dürfte wohl den meisten geläufig sein. Aber auch viele japanische Literaten hausten und hausen in der Stadt, die vor fast 1000 Jahren das Regierungszentrum Japans war und nach der auch ein eigenes Zeitalter, die Kamakura Zeit (1185-1333), benannt wurde. Zu den berühmtesten japanischen Schriftstellern, die in Kamakura wohn(t)en zählt wohl Murakami Haruki, aber auch viele andere Schriftsteller und Philosophen haben für eine längere Zeit in dieser Stadt gewohnt. 

Der Engaku-ji in Kamakura, Mai 2011
Natsume Soseki übte Zen im Engaku-ji aus und schrieb darüber in seinem Roman Mon. Moderne Schriftsteller wie Tanizaki Junichirô, Izumi Kyôka, Kunikida Doppo, Dazai Osamu, Arishima Takeo oder Shimazaki Tôson zählen auch dazu. 
 Unter den Dichtern finden sich Berühmtheiten wie Nakahara Chûya, Hagiwara Sakutarô, Miyoshi Tatsuji oder Masaoka Shiki, Takahama Kyoshi, Yosano Akiko, etc. 

Poster zur Ausstellung "Maboroshi wo miru hito"(Der Mensch, der Visionen sieht)

2016/03/11

5 Jahre danach, ein Gedicht - "An die Sterne" von Wagō Ryōichi, Japans Twitter-Poet

Heute jährt sich das Tōhoku-Beben vom 11. März 2011, zum 5. Mal. Das Seebeben mit der Magnitude 9,0 löste einen verheerenden Tsunami aus, der mehr als 20.000 Menschen an der Pazifikküste Nordjapans in den Tod riss. Noch immer werden rund 5000 Menschen vermisst und die japanischen Bergungstruppen sind noch immer unermüdlich auf der Suche nach ihnen, um ihnen und ihren Hinterbliebenen einen würdigen Abschied geben zu können. 

Zum 5ten Jahrestag eine Sonderausgabe der Bungakukai
"Von Tōhoku aus über Literatur denken"


In den deutschsprachigen Medien dominiert aber vor allem die Atomkatastrophe von Fukushima Daiichi. Mittlerweile steht fest, dass nicht Erdbeben oder Tsunami in erster Linie für den GAU in dem AKW Fukushima Daiichi verantwortlich waren, sondern menschliches Versagen, schlampige Sicherheitsvorkehrungen und ungelesene Katastrophen-Notfallpläne. Obwohl die derzeitige Regierung bisherige Speerzonen um das AKW wieder zur Rückbesiedelung freigibt und im kommenden Jahr die Unterstützungsgelder für die Evakuierten in diesen Gebieten eingestellt werden, werden bis voraussichtlich 2018 bzw 2019 Evakuierte in den Notunterkünften leben müssen. Derzeit leben noch immer 57.677 Menschen in den Notunterkünften. Vor allem für ältere Leute ist das Leben in den Notunterkünften anstrengend und sie sind aus ihrem gewohnten Umfeld entwurzelt worden, wodurch sich ein neues Problem ergibt. Der kodokushi/孤独死 - der einsame Tod - von Evakuierten in den Notunterkünften beläuft sich mittlerweile auf 202 Personen, wovon 116, also circa 60 Prozent älter als 65 Jahre waren.
 Es gibt genügend Artikel jetzt auch in den deutschen Medien, die sich eingehend mit dem 5. Jahrestag und vor allem mit den Problemen in Fukushima Daiichi beschäftigen, deswegen werde ich hier nicht viel dazu schreiben (können/müssen).

Ich möchte jedoch ein Gedicht vorstellen, von Wagō Ryōichi (和合亮一), welches ich heute in der Literaturzeitschrift Bungakukai gelesen habe. Wagō Ryōichi ist Japans "Twitter-Poet", er erlangte vor allem nach dem Tōhoku-Erdbeben 2011 an Bekanntheit, weil er seine Gedichte via Twitter verbreitete. (>>Hier ein Link zu seinem offiziellen Twitter Account<<)

Wagō veröffentlichte in der Bungakukai mehrere Gedichte unter dem zusammengefassten Titel "5 Jahre" (五年), darunter befindet sich "An die Sterne" (星に).


星に

An die Sterne
夜空を歩こうか
そのようにして見あげる
およそ五万人の方々が
福島から避難をして
Wollen wir nicht am Nachthimmel spazieren?
So blicken sie hinauf
Ungefähr 50.000 Menschen
Die aus Fukushima geflohen sind

暮らしている
瞬いている
息を味わい

Leben
Blinzeln
Tief einatmen

ずっと
探している
沈黙が沈黙する
はるか

Die ganze Zeit
Suchend
Das Schweigen schweigt
In weiter Ferne

遠くの町のどこかで
あなたも 光に
気がつきましたか

Irgendwo in einer fernen Stadt
Hast nicht auch du
Das Licht bemerkt?


(Bungakukai 2016, Vol.4, p.71) 

Das ist natürlich nur eine behelfsmässige Übersetzung, die ich jetzt hier am Abend schreibe. In der Bungakukai waren noch weitere Gedichte von Wagō, die mir ganz gut gefallen haben.
Wagō Ryōichi ist in Fukushima-Stadt, der Präfekturhauptstadt Fukushimas, geboren und aufgewachsen und lebt noch immer dort. 1998 gewann er mit seinem Gedichtband AFTER den 4. Nakahara-Chūya-Preis, 2006 wurde sein vierter Gedichtband Chikyū Sunō Sihen (地球頭脳詩篇) mit dem Bansui-Preis ausgezeichnet.  

Nach dem Tōhoku-Erdbeben vom 11. März 2011 veröffentlichte er auf seinem Twitter-Account mehrere Gedichte, die unter dem Namen "Kieselsteine der Dichtung" (shi no tsubute, 詩の礫) gesammelt im Gendaishi-techō (現代詩手帳), der wichtigsten Literaturzeitschrift für Gegenwartsdichtung in Japan, veröffentlicht wurde. Auf JapanFocus gibt es einen ausführlicheren Artikel über Wagō und seine "Pebbles of Poetry", sowie einige Übersetzungen der Gedichte ins Englische.
The Tōhoku Earthquake and Tsunami 
詩の礫
詩の礫
詩の礫)
  
Nachdem ich Ende Feber 2011 mit meinem jetztigen Mann nach Japan gezogen bin, wird dieser "Jahrestag" vom 11. März 2011 auf Ewig mit meiner Ankunft in Japan verbunden sein.
Für Interessierte gibt es hier eine Nachlese, 2014 habe ich nichts geschrieben, da war ich wohl zu erschöpft.

>>> 2011: Einzug in die neue Wohnung + schlimmstes Erdbeben in Japan seit 1200 Jahren...!
>>> 2012: Wie im Flug...

2015/08/09

70 Jahre Nagasaki & Hiroshima: Collection of Hiroshima & Nagasaki Atomic bomb Photographs


Heute, 70 Jahre nachdem Nagasaki durch "Fat Man" zerstört wurde, möchte ich auf zwei Photobände hinweisen, die sich mit der Zerstörung in den beiden Städten beschäftigen.

広島原爆写真集
The Collection of Hiroshima Atomic bomb Photographs

長崎原爆写真集
The Collection of Nagasaki Atomic bomb Photographs
In diesen beiden Sammelbänden befinden sich unter anderem auch bisher unveröffentliche Photographien (398 von Hiroshima, 343 von Nagasaki), die die Zerstörung in den beiden Städten dokumentieren. Herausgegeben werden die beiden Photobände von Komatsu Kenichi und Shindou Kenichi ( "Anti-nuclear Photograph Movement").

Hervorhebenswert ist, dass die Bildunterschriften zweisprachig auf Japanisch sowie Englisch gehalten sind - somit sind diese beiden Photobände für ein sehr großes Publikum erreichbar!

Hier gehts zum Link aufs japanische Amazon - allerdings sind die beiden Photobände im Augenblick ausverkauft. Ich hoffe es kommt rasch Nachschub!


 

2015/04/26

Abschluss & Neustart: Auf zum PhD!

Ende März hab ich mein Magisterstudium an der Tokyo Metropolitan University erfolgreich abgeschlossen und seit April bin ich im Doktorstudium an der selbigen Universität im selbigen Fachbereich (japanische Literatur). 
 
Kirschblüten vor dem Hikari Tower der TMU

2014/12/10

Kosmos-ki -- Akiyama Kiyoshi

Zuallererst: Ich lebe noch! (Mit der Betonung auf noch!>_<)
In letzter Zeit war es allerdings ziemlich stressig, deswegen bin ich einerseits überhaupt nicht dazu gekommen, irgendwohin zu fahren und interessante Orte zu besichtigen, und andererseits hat sich ziemlich viel getan, weswegen meine ursprünglichen Pläne alle ein wenig durcheinander gerieten. 

Wieder mal Tateyama, Chiba

2014/08/03

Endlich Sommerferien!!! o(^_^)o

Ich habe ja schon lange nichts mehr von mir hören lassen! m(-___-)m
Pünktlich zu Semesterbeginn ging es nämlich mit dem Stress los! Hier eine kurze Zusammenfassung!

Arbeit beginnt Dienstags früh. Sonnenaufgang beim morgendlichen
Spaziergang mit dem Hund

2013/08/17

Sommer, Hitze, Drinks!

Mein Sommerurlaub ist ab nächster Woche schon vorbei und die Hitze lässt noch immer nicht nach! T.T Dieses Jahr kommt es mir besonders heiss vor, aber ich kann mich auch irren. ^^;

Sumi spielt am Strand von Shirahama, Chiba

In meinem Urlaub hat mich meine Mutter besucht und wir haben einiges unternommen, aber dazu werde ich an einem späteren Zeitpunkt etwas zusammenfassend schreiben. ;P Zunächst - gibt es wieder mal Stress, da nicht nur meine Arbeit wieder beginnt, sondern ich auch in den (Uni)Ferien viel für die Uni machen muss. Anfang September habe ich auch einen Vortrag über meinen Artikel, den ich Feber nächsten Jahres in einer Zeitschrift veröffentlichen soll... -.-;;;

Wenn man eigentlich lernen bzw. arbeiten sollte, tut einem die Hitze natürlich nicht gut, deswegen möchte ich hier kurz ein paar köstliche und erfrischende Sommergetränke vorstellen, die im japanischen Sommer genossen werden. (Nein, kein Ramune...!)

☆Selbstgemachter Ume-Sirup!
Ume Sirup!

梅シロップ
Selbstgemachter Sirup aus japanischen Pflaumen ist uns eigentlich ganz leicht gelungen!
Man nehme ein Kilo Zucker, ein Kilo Pflaumen, etwas Alkohol und lege das alles für ungefähr 3 Wochen ein. Abgesehen vom optischen Makel der Pflaumen, die im Bottich hirnähnlich vor sich hinschrumpfen, schmeckt der Sirup süss und sauer zugleich und ist perfekt als Erfrischungsgetränk für einen heissen Sommer geeignet. Wird mit kühlem Soda und Eiswürfeln genossen. (^_^)

Model: Natsume Sōseki - Meian (Licht & Dunkelheit)
夏目漱石『明暗』


☆Mugi-cha - Weizen-Tee
Mugi-cha!
麦茶
Mugi-cha, bzw. Weizen-Tee, ist wohl das Sommergetränk in Japan schlechthin. Man kann den Tee abgepackt kaufen und er wird einfach mit kaltem Wasser aufgegossen, zwei Stunden kalt gestellt und kann schon genossen werden. Mugi-cha ist allerdings koffeinfrei (= auch für Kinder geeignet) und hat sehr, sehr wenig Kalorien, wenn er komplett ungesüsst getrunken wird. Natürlich trinkt man normalerweise Mugi-cha ungesüsst. ;P Tee und Zucker, das geht in Japan gar nicht!

Model: Shiga Naoya - Anyakōro (Der Weg durch dunkle Nacht)
志賀直哉『暗夜行路』


☆Schwarzbeer-Essig
Schwarzbeer-Essig!

ブルーベリー酢
Noch vor ein, zwei Jahren sah man ein paar hübsche koreanische Idols, die für Granatapfelessig warben - und dieses Jahr (oder ich habe es die Jahre davor verschlafen) gibt es Essig zum Verdünnen in diversen Geschmacksvariationen. Ich habe mich für Schwarzbeere entschieden und bereue es nicht. Der Essig (eher sowas wie Sirup mit Essig?!) wird mit Soda und Eiswürfeln verdünnt und erfrischt herrlich, ohne dabei sauer zu sein. Allerdings neigt sich mein Vorrat wieder dem Ende zu!

Model: Yoshimoto Taka`aki - Kyōdōgensō-ron (Dt. etwa "Abhandlung über die Massenillusion")
吉本隆明 『共同幻像論』



☆Eis-Kaffee 
Eiskaffee!
アイスコーヒー
Eis-Kaffee in Japan ist nicht das selbe wie in Österreich. Kaffee generell ist in Japan ganz anders als in Österreich. Und wer es auf die "harte Tour" mag, trinkt kalten schwarzen Kaffee mit Eiswürfeln. Das ist Eis-Kaffee in Japan. Oder so trinke ich ihn zumindest. :P Koffeinreiche Variante fürs Pauken in der Sommerhitze!

Model: Tanizaki Junichirō - In`ei raisan (Lob des Schattens)
谷崎潤一郎 『陰影礼賛』



Das war`s auch schon! o(^_____^)o

2013/05/22

Spärliche Golden Week dank Uni O.o

Goldene Woche (Golden Week) werden die Feiertage in der Woche vom 29. April bis zum 6. Mai genannt. Offizielle Feiertage sind der 29. April (Shôwa-Tag, 昭和の日), der 3. Mai (Tag der Verfassung、憲法記念日), der 4. Mai ("Grüner-Tag"、みどりの日), der 5. Mai (Tag der Kinder、こどもの日), und da der 5. Mai auf einen Sonntag gefallen ist, wurde der Montag, der 6. Mai, zu einem Ersatzfeiertag (振替休日)erklärt.

Mori Ôgai Gedenkstätte
im Bezirk Bunkyô

2013/04/02

Wieder Student o(^_^)o

Gestern, am 1. April, habe ich meinen Studentenausweis abgeholt. Nein, das ist kein Aprilscherz, diese Tradition gibt es in Japan kaum. ;P Am 15. Jänner habe ich  mich an die Aufnahmeprüfung für die Tôkyô Metropolitan University (首都大学東京) gewagt und als einzige bestanden. (Die anderen beiden, die die Prüfung versucht haben, waren ebenfalls Ausländer - Chinesen, kein einziger Japaner ist angetreten...) Am 28. Feber hatte ich dann das Ergebnis und konnte die Inskriptionsfomralitäten erledigen - und seit gestern bin ich nun offiziell Student. o(^___^)o

Tôkyô Metropolitan University und Kirschblüten

Zwar habe ich bereits einen Magister von der Japanologie in Wien, allerdings reicht dieser nicht aus, um an der TMU direkt in das PhD Studium einzusteigen, denn ich möchte nicht Imaginäre Kultur (表象) machen, sondern - wie es schon immer mein Wunsch war, japanische Literatur. Und dazu gab es an der Japanologie Wien (zu meiner Zeit) leider keinerlei Kurse oder sonstiges, dass irgendwie auch nur ansatzweise damit zu tun hätte. Somit tauche ich jetzt auch in neues Gebiet ein und bin ein bißchen nervös. Also, seit gestern bin ich offiziell Student an der TMU und im Mag.studium für Japanische Literatur. ^^

Sumi bei der Kirschblütenallee vor der TMU
- mit einem Sakurakrönchen




2012/12/13

Literarisches Izu - Sôseki, Kawabata, Inoue und der Jôren Wasserfall

Die Izu Halbinsel in der Präfektur bietet auch allerlei Literarisches. Nicht nur die Shuzen-ji Onsen-Region, die ein beliebter Erholungsort für japanische Schriftsteller war und auch literarisch verarbeitet wurde, sondern auch andere Orte in Izu sind erwähnenswert. 
Da es wirklich viel gibt, versuche ich mich kurz zu halten. Ich schreibe dieses Mal über den Natsume Sôseki Gedenkstein, den Amagi Tunnel/Kawabatas Roman Izu no Odoriko, Inoue Yasushis alte Residenz und den Jôren Wasserfall.
Der Jôren Wasserfall in Yugashima, Izu

Zunächst zur Literatur! ^.^

2012/11/21

Spaziergang durch die Shuzen-ji Onsenregion

Eine erste, zaghafte Herbstlaubfärbung
setzte bereits ein
Bevor wir im Ryokan Kikuya eincheckten, gab es einen ausgiebigen Spaziergang durch die kleine Onsenregion und Umgebung von Shuzen-ji (修善寺). 
Als besondere Sehenswürdigkeiten gelten nebst unzähligen Onsen natürlich der Tempel Shuzen-ji, das Tokko no yu, der kleine Bambuswald und der Akagaeru-koen.
Abgesehen davon bietet die Umgebung des Shuzen-ji auch viel Historisches. 
Einige wurden dorthin verbannt und im Onsen ermordet (Minamoto no Yoriie, 源頼家 und 13 seiner Vasallen, die seinen Tod rächen wollten), andere spuckten Blut und hatten Nahtoderfahrungen (Sôseki), wieder andere Vorahnungen über ihr frühzeitiges Ableben (Shimaki Kensaku) und anderen wuchsen Haare, wo keine sein sollten (der Statue des großen Sonnenbuddhas im Shuzen-ji).


Tokko no yu (独鈷の湯)
Dem Tempel Shuzen-ji gegenüber am Katsura-Fluss liegt das Tokko no yu, eine kleine Thermalquelle, in der man die Füße baumeln lassen kann.

2012/11/16

Shuzenji - Ryokan Kikuya in den Bergen Izus

Der Tempel Shuzenji (修禅寺) befindet sich im Herzen des Shuzenji-onsen (修善寺温泉) genannten Erholungsgebietes in den Bergen Izus, Shizuoka. Diese kleine Region, die im Grunde aus einer schmalen Straße entlang des Katsura-Flusses zwischen zwei Berggipfeln Izus besteht, ist schon seit je her berühmt für seine Thermalquellen (onsen, 温泉).

Rotenburo im Ryokan Kikuya

Schriftsteller wie Natsume Sôseki (夏目漱石)oder Shimaki Kensaku (島木健作)quartierten sich in einen der unzähligen Ryokan in Shuzenji (die Region Shuzenji wird 修善寺 geschrieben, während der Tempel Shuzenji selbst 修禅寺 geschrieben wird) ein, um sich von ihren Krankheiten zu erholen.

Kleine Galerie - Ryokan Kikuya und Natsume Sôseki

2012/07/17

Wenn Sakamoto Ryûichi und Ôe Kenzaburô sprechen...

... dann kommen 170.000 um ihnen zuzuhören. Aber nicht nur zum bloßen Lauschen einiger Worte japanischer Berühmtheiten, sondern auch zum Demonstrieren.

Luftaufnahme von Bühne 1 im Yoyogi Park

Heute war es wieder einmal so weit. Ein Feiertag (der Tag des Meeres) und strahlender Sonnenschein bei 32°C haben es ermöglicht, dass sich Tausende von Menschen im Yoyogi Park in Shibuya, Tôkyô versammeln konnten. Ich habe auch vorbeigeschaut, vor allem weil ich Ôe Kenzaburô sprechen hören wollte. Allerdings ist Ôe kein allzu guter Redner (was der Grund ist, weswegen er Schriftsteller wurde) und so hat er nur leise in das Mikrophon geflüstert und die fünf Hubschrauber, die über dem Park ihre Runden gezogen haben haben noch zusätzlich zur Lärmkulisse beigetragen.
 
Der Nobelpreisträger Ôe Kenzaburô spricht auf der Pressekonferenz vor der heutigen Demo

2012/03/18

Yoshimoto Takaaki

Am 16. März 2012 erlag Yoshimoto Takaaki (bzw. auch Ryûmei genannt, 吉本 隆明) im Alter von 87 Jahren in einem Krankenhaus einer Lungenentzündung.

Yoshimoto Takaaki
Yoshimoto Takaaki ist im Westen, auch unter Japanologen, kaum bekannt. Es gibt keine Deutsche Übersetzung seiner Werke, obwohl er einer der einflussreichsten Intellektuellen Japans ist. Als Philosoph und auch Dichter trat Yoshimoto auf, diskutierte in den 50ern die Kriegsverantwortung von Schriftstellern und Intellektuellen, beeinflusste in den 60ern die japanische Studentenbewegung, hatte großen Einfluss auf die in den 60ern gebildete Neue Linke in Japan und verteidigte in den 80ern die aus dem konsumorientierten Kapitalismus entstandenen Konsumgüter.

Der kompliziert schreibende und denkende Yoshimoto Takaaki ist außerhalb Japans nahezu unbekannt, anders hingegen seine Tochter - Yoshimoto Banana, die in klarer, deutlicher und kurzer Prosa sofort das zum Ausdruck bringt, von dem sie erzählen möchte. Übersetzungen in unzählige Sprachen - das krasse Gegenteil des Vaters. 

Die (im Westen) berühmtere jüngste Tochter Yoshimoto Takaakis trauerte auch auf Twitter um ihren Vater, was die Zeitungen aufschnappten und so kurz vom Tod Yoshimoto Takaakis berichteten. 

Yoshimoto Takaaki ga kataru Shinran
wurde als eines der letzten Werke des stets arbeitenden Yoshimotos veröffentlicht.
(In normalen Buchhandlungen kaum zu erhalten :/)

Yoshimoto Takaaki war trotz seines fortgeschrittenen Alters und schlechten Gesundheitszustandes stets über die aktuelle Lage in Japan informiert und veröffentlichte bis zum Schluss seine eigenen Gedanken diesbezüglich mit der Unterstützung von Itoi Shigesato (糸井 重里). 

Da mir Nachrufe nicht liegen und schon gar nicht einer über Yoshimoto Takaaki möchte ich auf einige lesenswerte Webseiten verweisen:

Ein ausführlicher und gelungener Nachruf auf Yoshimoto Takaaki findet sich in der englischsprachigen Version der Asahi Shinbun:
 Unbedingt zu lesen, für alle, die mehr über den unübersetzten Intellektuellen wissen möchten.

Yoshimoto Takaaki. Ein Kritiker zwischen Dialektik und Differenzvon Reinold Ophüls-Kashima

Und wer mehr als nur einen Nachruf auf Yoshimoto Takaaki lesen möchte, dem sei eines der wenigen Werke über den Intellektuellen auf Deutsch empfohlen:
erschienen 1998 im Iudicum Verlag. (Hijiya-Kirschnereit, Irmela (Hg.): Iaponia Insula. Studien zu Kultur und Gesellschaft Japans (Bd. 8))

 Einen guten Überblick über Yoshimotos Werke erhält man auf der Website des
welches sich zur Aufgabe gemacht hat, alle Werke Yoshimoto Takaakis zu sammeln und herauszubringen. Dieses Projekt wurde in den 1960ern von der Hobonikkan Itoi Shinbun bis heute verfolgt.

2012/03/11

Wie im Flug...

... vergeht die Zeit.
Heute vor einem Jahr wurde Japan von einem Erdbeben der Stärke 9,0 erschüttert, dem folgte ein Tsunami, der mehr als 20.000 Menschen in den Tod riß, und das Unglück im AKW Fukushima I. 

Zu dieser Zeit hielt ich mich in Japan auf und war gerade dabei, dort einen neuen Lebenabschnitt zu beginnen, es kam jedoch anders. Auf Drängen meiner Familie gings zurück, aber nur für einen knappen Monat. Ich hab's durchgezogen und bin in Japan geblieben, habe einen Job gefunden und lebe den Alltag nach 3.11. - wie das verhängnisvolle Datum in Japan genannt wird - so gut es geht. 

Im Augenblick befinde ich  mich jedoch in Österreich. Ferienzeit, die einzige Zeit, in der ich frei nehmen konnte. Genau zum Jahrestag von 3.11. sitze ich unter blauem Himmel und höre das zwitschern der Vögel, die den nahenden Frühling herbeisingen, in einer Idylle, die ich aus Kindheitstagen kenne. 

Überblick einiger Demonstrationen im Großraum Tôkyô für den 3.11.2012

Vor ein paar Tagen gings auch nach Wien, um alte Freunde wieder zu treffen. Wie es so ist, wenn man sich lange Zeit nicht gesehen hat, hat man so viel zu erzählen, dass man 50.000 Stunden reden könnte - oder gar nichts. Es gibt einfach zu viel. Und auch viele Fragen, wie es mir jetzt geht, wie es in Tokyo jetzt denn aussieht, wie es sich so lebt, nach so einer Katastrophe, von der Tokyo eigentlich ziemlich verschont wurde. Ja, das Essen ist so eine Sache, da muss man aufpassen, sage ich. Und doch gibt es noch viel zu sagen und andererseits nichts. Es ist zu viel, so dass es einem die Sprache verschlägt.

Im Moment wäre ich am liebsten wieder in Tokyo, in Japan.

2011/11/24

Wandering Books

Seit diesem Monat mache ich auch bei dem Projekt Wandering Books mit.
Ein Freund von mir, Absolvent der Tokyo Metropolitan University und jetzt im Phd-Studium der Hitotsubashi University, hat vor einem Jahr dieses interessante Projekt ins Leben gerufen, bei dem Studenten, Absolventen und auch zwei Professoren der TMU mitmachen. Ich bin zwar im Augenblick an keiner Uni in Japan eingeschrieben, darf aber trotzdem dabei sein. :D

Wandering Books befasst sich - wie der Name schon andeutet - mit verschiedenen Buchrezensionen in den Bereichen japanische, deutsche, englische und französische Literatur sowie Sozialanthropologie und Darstellungskulturen (表象文化, hyôshôbunka). Darüber hinaus kann man jedoch auch Reviews über Manga, Filme, i-Phone Apps oder sonstige Dinge schreiben, die man für interessant und berichtenswert hält. :D
Es ist also sehr frei, man sollte nur schauen, dass man auch jeden Monat zumindest eine Rezension online stellt. :)

Insgesamt gibt es bereits 21 aktive Reviewer, ich bin unter Reviewer Nr. 15 zu finden. :D Einen Eintrag über Mori Ôgais Maihime (dt, die Tänzerin) habe ich bereits abgegeben, demnächst werde ich mich wohl einer Filmkritik zu Hanami - Kirschblüten von Doris Dörrie widmen.
Bis jetzt sind die meisten Einträge auf Japanisch, aber auch andere Sprachen sind in Ordnung (bzw erwünscht), ich werde aber versuchen, hauptsächlich auf Japanisch zu schreiben, um wieder in Übung zu kommen. :D
Abgesehen davon, dass sich eine Teilnahme bei diesem Projekt auch im Lebenslauf (den man even. irgendwann an Unis schicken möchte :D) sehr gut macht, ist es natürlich für mich auch ein gehöriger Motivationsschub, noch mehr Bücher zu lesen und meine freie Zeit sinnvoll zu gestalten. ^^

Hier noch einmal die Links:
VOLUME XV - Mori Ôgai - Maihime (Japanisch)
Wandering Books - Hauptseite (Japanisch)

2011/10/20

"Bücherraub" im Herbst

Der Herbst legt ein schönes Schauspiel in Sachen - nein, nicht Herbstlaubfärbung - Kälte hin. Da ich prinzipiell unterkühlt bin und auch im Sommer in Japan nicht wirklich ins Schwitzen komme, ist alles unter 25°C für mich sibirische Eiseskälte oder eine Alaska-Expedition.

Herbstzeit: Mikan (jap. Mandarinen, bei uns als Satsuma bekannt), Kaki, Yuzu-cha (links), Nama-shôga-cha (rechts) und zur allgemeinen Erheiterung Kuri-manju (was Süßes mit Maroni)