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2016/03/11

5 Jahre danach, ein Gedicht - "An die Sterne" von Wagō Ryōichi, Japans Twitter-Poet

Heute jährt sich das Tōhoku-Beben vom 11. März 2011, zum 5. Mal. Das Seebeben mit der Magnitude 9,0 löste einen verheerenden Tsunami aus, der mehr als 20.000 Menschen an der Pazifikküste Nordjapans in den Tod riss. Noch immer werden rund 5000 Menschen vermisst und die japanischen Bergungstruppen sind noch immer unermüdlich auf der Suche nach ihnen, um ihnen und ihren Hinterbliebenen einen würdigen Abschied geben zu können. 

Zum 5ten Jahrestag eine Sonderausgabe der Bungakukai
"Von Tōhoku aus über Literatur denken"


In den deutschsprachigen Medien dominiert aber vor allem die Atomkatastrophe von Fukushima Daiichi. Mittlerweile steht fest, dass nicht Erdbeben oder Tsunami in erster Linie für den GAU in dem AKW Fukushima Daiichi verantwortlich waren, sondern menschliches Versagen, schlampige Sicherheitsvorkehrungen und ungelesene Katastrophen-Notfallpläne. Obwohl die derzeitige Regierung bisherige Speerzonen um das AKW wieder zur Rückbesiedelung freigibt und im kommenden Jahr die Unterstützungsgelder für die Evakuierten in diesen Gebieten eingestellt werden, werden bis voraussichtlich 2018 bzw 2019 Evakuierte in den Notunterkünften leben müssen. Derzeit leben noch immer 57.677 Menschen in den Notunterkünften. Vor allem für ältere Leute ist das Leben in den Notunterkünften anstrengend und sie sind aus ihrem gewohnten Umfeld entwurzelt worden, wodurch sich ein neues Problem ergibt. Der kodokushi/孤独死 - der einsame Tod - von Evakuierten in den Notunterkünften beläuft sich mittlerweile auf 202 Personen, wovon 116, also circa 60 Prozent älter als 65 Jahre waren.
 Es gibt genügend Artikel jetzt auch in den deutschen Medien, die sich eingehend mit dem 5. Jahrestag und vor allem mit den Problemen in Fukushima Daiichi beschäftigen, deswegen werde ich hier nicht viel dazu schreiben (können/müssen).

Ich möchte jedoch ein Gedicht vorstellen, von Wagō Ryōichi (和合亮一), welches ich heute in der Literaturzeitschrift Bungakukai gelesen habe. Wagō Ryōichi ist Japans "Twitter-Poet", er erlangte vor allem nach dem Tōhoku-Erdbeben 2011 an Bekanntheit, weil er seine Gedichte via Twitter verbreitete. (>>Hier ein Link zu seinem offiziellen Twitter Account<<)

Wagō veröffentlichte in der Bungakukai mehrere Gedichte unter dem zusammengefassten Titel "5 Jahre" (五年), darunter befindet sich "An die Sterne" (星に).


星に

An die Sterne
夜空を歩こうか
そのようにして見あげる
およそ五万人の方々が
福島から避難をして
Wollen wir nicht am Nachthimmel spazieren?
So blicken sie hinauf
Ungefähr 50.000 Menschen
Die aus Fukushima geflohen sind

暮らしている
瞬いている
息を味わい

Leben
Blinzeln
Tief einatmen

ずっと
探している
沈黙が沈黙する
はるか

Die ganze Zeit
Suchend
Das Schweigen schweigt
In weiter Ferne

遠くの町のどこかで
あなたも 光に
気がつきましたか

Irgendwo in einer fernen Stadt
Hast nicht auch du
Das Licht bemerkt?


(Bungakukai 2016, Vol.4, p.71) 

Das ist natürlich nur eine behelfsmässige Übersetzung, die ich jetzt hier am Abend schreibe. In der Bungakukai waren noch weitere Gedichte von Wagō, die mir ganz gut gefallen haben.
Wagō Ryōichi ist in Fukushima-Stadt, der Präfekturhauptstadt Fukushimas, geboren und aufgewachsen und lebt noch immer dort. 1998 gewann er mit seinem Gedichtband AFTER den 4. Nakahara-Chūya-Preis, 2006 wurde sein vierter Gedichtband Chikyū Sunō Sihen (地球頭脳詩篇) mit dem Bansui-Preis ausgezeichnet.  

Nach dem Tōhoku-Erdbeben vom 11. März 2011 veröffentlichte er auf seinem Twitter-Account mehrere Gedichte, die unter dem Namen "Kieselsteine der Dichtung" (shi no tsubute, 詩の礫) gesammelt im Gendaishi-techō (現代詩手帳), der wichtigsten Literaturzeitschrift für Gegenwartsdichtung in Japan, veröffentlicht wurde. Auf JapanFocus gibt es einen ausführlicheren Artikel über Wagō und seine "Pebbles of Poetry", sowie einige Übersetzungen der Gedichte ins Englische.
The Tōhoku Earthquake and Tsunami 
詩の礫
詩の礫
詩の礫)
  
Nachdem ich Ende Feber 2011 mit meinem jetztigen Mann nach Japan gezogen bin, wird dieser "Jahrestag" vom 11. März 2011 auf Ewig mit meiner Ankunft in Japan verbunden sein.
Für Interessierte gibt es hier eine Nachlese, 2014 habe ich nichts geschrieben, da war ich wohl zu erschöpft.

>>> 2011: Einzug in die neue Wohnung + schlimmstes Erdbeben in Japan seit 1200 Jahren...!
>>> 2012: Wie im Flug...

2016/03/09

Tell the Prime Minister/首相官邸の前で von Oguma Eiji

Eine Dokumentation über die Anti-Nuke Demonstrationen im "post-Fukushima" Japan

Der Dokumentarfilm Tell the Prime Minister/首相官邸の前で von Oguma Eiji wurde September 2015 erstmals in Japan aufgeführt. Der Film behandelt die japanischen Anti-AKW Proteste vor der Premierministerresidenz, wo sich zu Höchstzeiten bis zu 200.000 Demonstranten versammelten, was jedoch von den internationalen Medien weitgehend unbeachtet blieb. 

 Trailer zu Tell the Prime Minister

Im Zentrum des Films stehen acht japanische sowie nicht-japanische Personen: ein Flüchtling aus Fukushima, ein Aktivist, ein Ladenangestellter, ein Künstler, ein Krankenhausmitarbeiter und ein Angestellter, Es wird gezeigt, wie diese unterschiedlichen Leute mit der Krise nach dem 11. März 2011 umgehen. 

Der Regisseur Oguma Eiji (小熊英二) ist Professor an der Fakultät für Politikwissenschaften der Keio Universität. Sein Fachgebiet ist Historische-Soziologie und Interdisziplinäre Soziologie. Er befasst sich in seiner Forschung eingehend mit Nationaler Identität und Nationalismus, Kolonialismus, Demokratie und sozialen Bewegungen in Japan.

Dieses Jahr jährt sich die 3fach Katastrophe vom 11. März 2011 zum 5ten Mal. In diesem Rahmen wird in sowie ausserhalb Japans auch Ogumas Film Tell the Prime Minister gezeigt. Ein kleiner Auszug:

Zürich, Schweiz
2016 March 10th, 7:30pm
Rote Fabrik
Seestrasse 395, 8038 Zürich
http://www.rotefabrik.ch/de/home/

Deutschland, Heidelberg
2016 March 11th, 7:00pm
*Screening & Talk with Director
http://www.zo.uni-heidelberg.de/japanologie/
Karlstorkino
Am Karlstor 1, 69117 Heidelberg
http://www.karlstorkino.de

Anschliessend tourt Oguma Eiji durch Deutschland und nach den Filmvorführungen gibt es auch Gesprächsrunden mit dem Regisseur, unter anderem in Freiburg, Leipzig und Berlin. 


2016/02/20

Doris Dörries "Grüße aus Fukushima" (Fukushima, mon amour) gewinnt bei der Berlinale 2016 den Heiner-Carow-Preis

Mit ihrem Film über die außergewöhnliche Freundschaft einer jungen Deutschen und einer gealterten Geisha, die nach dem AKW Unfall in Fukushima in die Sperrzone zurückkehrte, erhielt die Regisseuring Doris Dörrie den Heiner-Carow-Preis bei der 66sten Berlinale. Ausgezeichnet wird beim Heiner-Carow-Preis im Zuge der Berlinale ein deutscher Spiel-, Dokumentar- oder Essayfilm aus der Sektion Panorama.

"Grüße aus Fukushima" von Doris Dörrie
Japanliebhabern dürfte der Film "Kirschblüten - Hanami" von Doris Dörrie bereits bekannt sein. In ihrem neuesten Film, der ganz in schwarz-weiß gehalten ist, kehrt Dörrie nach Japan zurück und erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft im Fukushima nach 2011. Der Film wurde letztes Jahr im Frühling in der Stadt Minami-Soma, die nur 15 km vom AKW Fukushima entfernt liegt, gedreht. Die Rolle der jungen Marie spielt Rosalie Thomass, die dafür mit dem Bayrischen Filmpreis als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde. Die Rolle der Geisha Satomi wird von der Japanerin Momoi Kaori (桃井かおり) gespielt.

Die junge Deutsche Marie (Rosalie Thomass) reist nach Japan, um ihren enttäuschten Träumen zu entkommen, Dort tritt sie der Organisation Clowns4Help bei, um den Opfern der 3fach Katastrophe des Tohoku-Erdbebens von 2011, die noch immer fern ihrer Heimat in temporären Behausungen leben müssen, ein wenig Trost zu spenden. Im Zuge ihres Aufenthaltes trifft sie auf Satomi (Momoi Kaori), eine ältere Geisha, die in ihr zerstörtes Haus in der Stadt Minami-Soma, die mittlerweile zur Sperrzone wegen des AKW Unfalls erklärt wurde, zurückkehrt. Marie erklärt sich bereit, Satomi in die Sperrzone zu folgen und ihr bei den Aufräumarbeiten im Haus zu helfen. Dabei werden beide von den Erinnerungen an ihre Vergangenheit, die sie eigentlich hinter sich lassen wollten, eingeholt.

 Offizieller Trailer zum Film

Laut Asahi Shinbun basiert die Idee zur Figur Satomi auf einer realen Person, nämlich Ito Tsuyako, welche auch "die letzte Geisha von Kamaishi" genannt wurde. Kamaishi liegt in der Präfektur Iwate, die 2011 vor allem durch den Tsunami schwer getroffen wurde. Ito lebte nach der Naturkatastrophe in einer der temporären Behausungen und starb dieses Jahr im Jänner im Alter von 89 Jahren.

Filmstart in Deutschland ist der 10. März, genau ein Tag vor dem 5ten Jahrestag der 3fach-Katastrophe. Der englische Titel des Films lautet "Fukushima, mon amour" (フクシマ・モナムール), wann er in Japan gezeigt wird, steht jedoch noch nicht fest. Ich hoffe doch, dass er überhaupt und dann auch noch demnächst gezeigt wird. 

Hier ist noch ein Link zu einem empfehlenswerten Interview mit der Regisseurin Dörrie über ihren Film und ihre Besuche in Fukushima:

Doris Dörrie: Überleben in Fukushima

2015/03/11

4 Jahre nach dem Beben...



Heute, am 11. März 2015, jährt sich die 3fach Katastrophe, die durch das Tohoku Erdbeben ausgelöst wurde, zum vierten Mal. 

Wer den Blog etwas länger verfolgt weiß, dass ich am 11. März 2011 mit meinem Partner unsere erste gemeinsame Wohnung in Tokyo bezogen habe. Ich war den Tag allein in der leeren Wohnung und habe nur gemerkt, dass es ein wenig mehr als sonst rüttelt, bin aber dennoch ins Freie geflüchtet. Letztendlich gab es keinerlei Schäden oder sonstige Katastrophen in dem Gebiet, in dem ich war, allerdings sah es in Tohoku ganz anders aus. Das wusste ich aber nicht, da ich ohne Internet und Fernseher und Handyempfang komplett von der Aussenwelt abgeschnitten war... 

2013/09/01

Grosses Kanto-Erdbeben von 1923 - 90 Jahre danach

Am 1. September 1923 um 11:59 Uhr, heute vor genau 90 Jahren erlebten die Menschen in der Hauptstadt Tokyo und den angrenzenden Präfekturen das Grosse Kanto-Erdbeben (関東大震災).
Ein Erdbeben mit der Magnitute 7.9 ereignete sich in einer Tiefe von 23 km in der Bucht von Sagamihara (Präfektur Kanagawa) und hatte verheerende Auswirkungen auf die dicht besiedelten Städte Yokohama und Tokyo, und die angrenzenden Präfekturen (vor allem Kanagawa wurde hart getroffen).

Der Ryo`unkaku (凌雲閣) in Asakusa
- das Symbol des damaligen Tokyos wurde komplett zerstört


Sicherlich nicht nur, aber wahrscheinlich auch wegen des Tohoku Erdbebens vom 11. März 2011, berichtet der staatliche Nachrichtensender NHK in den letzten Wochen schon regelmässig über das Grosse Kanto-Erdbeben von 1923 und die Gefahren für die Metropolregion Tokyo, sollte sich ein derartiges Erdbeben dieser Grossenordnung wieder ereignen. Die Doku-Serie von NHK trägt den etwas reisserischen Namen Megaquake (Megaquake 巨大地震), ist aber ansonsten recht informativ und in 3 Serien (zu je mehreren Teilen) rausgebracht worden (Megaquake I, Megaquake II, Megaquake II), die sich jeweils mit verschiedenen Themen, wie auch Tsunami oder dem Hanshin-Awajijima Erdbeben (Kobe-Erdbeben) von 1995 beschäftigen.

2013/03/11

2 Jahre danach...

Heute vor 2 Jahren - am 11. März 2011 - ereignete sich um 14:46 das Tohoku-Erdbeben, welches eine Magnitude von 9,0 erreichte. Die meisten der fast 19.000 Toten und Vermissten forderte allerdings nicht das Erdbeben, sondern der Riesen-Tsunami, der sich von der Pazifik-Küste Nordjapans bis in den Süden sogar einige Teile der Präfektur Chiba verwüstete. Dem Tsunami folgten am 12. März die Störfälle - Wasserstoffexplosionen - im AKW Fukushima I. 

Weiße Pflaumenblüten
Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade erst ein paar Tage in Japan angekommen, um hier mit meinem Freund ein neues Leben aufzubauen. An das Erdbeben (welches ich in Kawasaki natürlich weniger schrecklich in Erinnerung habe), aber vor allem an die Tage danach möchte ich mich nicht zurückerinnern. Obwohl es natürlich Nichts ist, im Vergleich zu dem, was die Menschen in der direkt von der Katastrophe betroffenen Regionen erlebten. Auch kann ich mir keine Dokumentationen über den Tsunami ansehen, die das ganze Jahr über, aber besonders jetzt zu dieser Zeit vermehrt, im japanischen Fernsehen gibt. 

Dieses Wochenende fand erneut eine Demo gegen Atomkraft statt. Wieder im Yoyogi-Park, aber ich konnte nicht hingegehen. Am 9. März hielt Schriftsteller und Nobelpreisträger Ôe Kenzaburô eine Rede gegen Atomenergie auf der Demonstation. 
Ein Video zu einer Nachrichtensendung über die Demo und die Rede von Ôe findet man hier. 


Und hier von TBS


Vom 9. bis 11. März finden im ganzen Land an verschiedenen Orten Demonstrationen gegen Atomkraft statt. 

Zwei Jahre nach der Natur- und Reaktorkatastrophe geht der Wiederaufbau im Norden Japans nur schleppend voran. Während man in Tôkyô und andernorts rasch wieder zum alltäglichen Trott, hie und da gespickt mit "Kizuna" oder "Ganbaro Nippon" Rufen, übergegangen ist, sieht die Situtation im Nordosten anders aus. 

Eine interessante Reportage über das Leben in den am schlimmsten vom Tsunami und Reaktorunfall betroffenen Gebieten hat die Neue Züricher Zeitung unter dem Titel "Keine Zeit für Wut - Vier Schicksale zwei Jahre nach 'Fukushima'" zusammengestellt. Bislang das beste, was ich zu dem heutigen Jahrestag der Katastrophe in den deutschsprachigen Medien gefunden habe. 


2012/07/18

No Nukes Demo 7.16 - Bilder und Videos

Veranstalter der Demo: Sayonara Nukes (Sayonara Genpatsu)
Hier sind ein paar Bilder und Videos von der Demo vom 16. Juli im Yoyogi Park. Da ich nur mit der Videokamera fotografiert habe, ist die Qualität leider dementsprechend geworden. Auch sind leider die Videos verwackelter als ich gedacht hätte. Ich entschuldige mich für meine zittrigen Hände.


Das nächste Mal wird ein Stativ mitgenommen, das ist vor allem dann nützlich, wenn man anständige Videos der Ansprachen machen möchte. 
In den Videos habe ich versucht so gut wie möglich die Atmosphäre der Demonstration einzufangen. Es waren unglaublich viele Menschen da, und überwiegend die ältere Generation machte sich gegen Atomkraft stark. Allerdings waren auch viele junge Leute und junge Familien mit Kindern dabei. Kurz gesagt, gewöhnliche Bürger Japans. 
Rechtsradikale konnte ich auch keine ausmachen, aber es war wirklich so groß, dass die wohl nicht überall sein konnten. Die meisten Demonstrationszüge gingen leise durch die Straßen und die Ansprachen auf Bühne eins waren toll und bewegend. 
Ich werde ein paar der Reden (Sakamoto, Ôe, Ochiai und ev. noch eine) übersetzen, sobald ich Zeit dazu habe!
Nun zu den Videos:

2012/07/17

Wenn Sakamoto Ryûichi und Ôe Kenzaburô sprechen...

... dann kommen 170.000 um ihnen zuzuhören. Aber nicht nur zum bloßen Lauschen einiger Worte japanischer Berühmtheiten, sondern auch zum Demonstrieren.

Luftaufnahme von Bühne 1 im Yoyogi Park

Heute war es wieder einmal so weit. Ein Feiertag (der Tag des Meeres) und strahlender Sonnenschein bei 32°C haben es ermöglicht, dass sich Tausende von Menschen im Yoyogi Park in Shibuya, Tôkyô versammeln konnten. Ich habe auch vorbeigeschaut, vor allem weil ich Ôe Kenzaburô sprechen hören wollte. Allerdings ist Ôe kein allzu guter Redner (was der Grund ist, weswegen er Schriftsteller wurde) und so hat er nur leise in das Mikrophon geflüstert und die fünf Hubschrauber, die über dem Park ihre Runden gezogen haben haben noch zusätzlich zur Lärmkulisse beigetragen.
 
Der Nobelpreisträger Ôe Kenzaburô spricht auf der Pressekonferenz vor der heutigen Demo

2012/03/11

Wie im Flug...

... vergeht die Zeit.
Heute vor einem Jahr wurde Japan von einem Erdbeben der Stärke 9,0 erschüttert, dem folgte ein Tsunami, der mehr als 20.000 Menschen in den Tod riß, und das Unglück im AKW Fukushima I. 

Zu dieser Zeit hielt ich mich in Japan auf und war gerade dabei, dort einen neuen Lebenabschnitt zu beginnen, es kam jedoch anders. Auf Drängen meiner Familie gings zurück, aber nur für einen knappen Monat. Ich hab's durchgezogen und bin in Japan geblieben, habe einen Job gefunden und lebe den Alltag nach 3.11. - wie das verhängnisvolle Datum in Japan genannt wird - so gut es geht. 

Im Augenblick befinde ich  mich jedoch in Österreich. Ferienzeit, die einzige Zeit, in der ich frei nehmen konnte. Genau zum Jahrestag von 3.11. sitze ich unter blauem Himmel und höre das zwitschern der Vögel, die den nahenden Frühling herbeisingen, in einer Idylle, die ich aus Kindheitstagen kenne. 

Überblick einiger Demonstrationen im Großraum Tôkyô für den 3.11.2012

Vor ein paar Tagen gings auch nach Wien, um alte Freunde wieder zu treffen. Wie es so ist, wenn man sich lange Zeit nicht gesehen hat, hat man so viel zu erzählen, dass man 50.000 Stunden reden könnte - oder gar nichts. Es gibt einfach zu viel. Und auch viele Fragen, wie es mir jetzt geht, wie es in Tokyo jetzt denn aussieht, wie es sich so lebt, nach so einer Katastrophe, von der Tokyo eigentlich ziemlich verschont wurde. Ja, das Essen ist so eine Sache, da muss man aufpassen, sage ich. Und doch gibt es noch viel zu sagen und andererseits nichts. Es ist zu viel, so dass es einem die Sprache verschlägt.

Im Moment wäre ich am liebsten wieder in Tokyo, in Japan.

2011/07/10

Nachbeben 7.10. in Tohoku

Magnitude 7.3 in Tohoku - keine Schäden

Heute morgen wurden wir von einem leichten Erdbeben aufgeweckt. Zum ersten Mal seit einigen Wochen (oder bereits Monaten?) hat man wieder ein Erdbeben bei uns gespürt. Der Ort, an dem wir wohnen, dürfte ziemlich Erdbebenresistent sein, den selbst wenn im Nahen Chiba ein starkes Erdbeben ist, kommen nur schwache Erdstöße bis zu uns vor.

Auf jeden Fall, fand ich das schon mal merkwürdig und hab im Internet bzw. TV nachgeschaut. NHK, der Staatssender, zeigt dauernd Bilder vom Erdbeben und hat eine Tsunami-Warnung herausgegeben. Das klingt jetzt schlimmer als es wirklicht ist.

Tsunami-Warnung: